Die Schnellboote der Kriegsmarine im 2. Weltkrieg

verfasst von Urs Heßling

In diesem Bereich geht es um ein Kapitel der deutschen Seekriegsführung, das bisher in dieser Tiefe nicht behandelt wurde. Er gliedert sich in zwei Haupt- und mehrere Nebenteile.
Die zwei Hauptteile sind:
- „Lebensläufe“ aller deutschen Schnellboote des 2. Weltkriegs
- „Erfolgstabellen“ der Boote analog zu den bereits existierenden Bereichen ASA und ASS

Die Lebensläufe wurden von Urs Heßling erstellt, die Tabellen von Thomas Weis unter Mitarbeit von Urs Heßling. Bei beiden leisteten Thorsten Reich und die Mitarbeiter des Historischen Marinearchivs unschätzbare Hilfe mit der äußeren Gestaltung.

Die Lebensläufe der Boote werden in der Form eines Terminkalenders dargestellt. Normalerweise wird auf einem Boot ein Logbuch geführt, in dem mit Uhrzeit seemännische Manöver wie Ab- und Anlegen, Kurs- und Geschwindigkeitsänderungen, Manöver, Begegnungen mit anderen Schiffen, Standorte, Wetterdaten und dergleichen mehr aufgeführt sind.
Ein solches Logbuch für jedes Schnellboot der Kriegsmarine im Einsatz nachträglich anhand der Kriegstagebücher, die von der übergeordneten Einheit Flottille geführt wurden, zu erstellen hätte jeden vorstellbaren Zeitrahmen gesprengt und wäre dennoch immer noch unvollständig geblieben. Die hier vorliegenden Lebensläufe beschränken sich also auf eine Genauigkeit der Zeitangabe mit der Einheit Tag. Vorgänge wie Einsätze werden mit Einzeltagen bzw. Nächten (von Tag zu Tag), Geschehnisse wie Verlegungen, Instandsetzungs- und Ruheperioden mit Zeiträumen verbunden.

Die Erarbeitung der „Lebensläufe“ beruht ausschließlich auf Originaldokumenten, nämlich den Kriegstagebüchern des Führers der Torpedoboote (bis 20.4.1942), des Führers der Schnellboote (ab 20.4.1942) und der Schnellboots- und Schnellbootsschulflottillen der Kriegsmarine, die in ihrer Papier-Originalform im Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg vorliegen.
Bestehende Lücken dieser Dokumentation, die für die Wochen der Norwegenunternehmung, für die Sommermonate des Jahres 1943, sowie für den Zeitraum der Invasion, das 4. Quartal des Jahres 1944 und die letzten Kriegsmonate ab 16. Januar 1945 bestehen, wurden so weit wie möglich über andere Primärquellen geschlossen. In den Lebensläufen wird auf diese Lücken und weitere eventuell existierende Unsicherheiten hingewiesen.

Die Lebensläufe stellen neben der Einsätzen und wenigen Erfolgen der Boote insbesondere die technische Anfälligkeit der Boote aufgrund von Konstruktionsmängeln und Abnutzung, das Bemühen um technische Verbesserungen, die große Bedeutung der Instandsetzungseinrichtungen und die Abhängigkeit der Boote von Wetterlagen dar, bei der die Boote aufgrund der technischen Überlegenheit des Gegners immer mehr eingeschränkt wurden. An mehreren Stellen wird auch das mangelnde Verständnis höherer Marinedienststellen für die Einsatzbedingungen der Boote deutlich.
Es muss klar gesagt werden, dass diese Lebensläufe bei allem Bemühen um Genauigkeit lückenhaft sind und sehr wahrscheinlich auch bleiben werden.

Die Erfolgstabellen wurden in akribischer Arbeit von Thomas Weis erstellt; sie wurden erstmalig in geringerem Umfang in der „Chronik des Seekrieges 1939-1945“ veröffentlicht. Sie basieren zum großen Teil auf den Daten Gerhard Hümmelchens, die allerdings in der Buchform weit weniger strukturiert waren. Thomas Weis hat in der jetzt neuen Form viele Detailangaben, unter anderem zu den betroffenen Einheiten, Ortsangaben und technischen Einzelheiten und darüber hinaus viele Anmerkungen hinzugefügt, die den Gesamtkomplex übersichtlicher und verständlicher machen.

Die bisher verfügbaren und auch bekannten Publikationen der bereits verstorbenen Autoren Vizeadmiral a.D. Hans Frank und Gerhard Hümmelchen betrachteten den Einsatz der Schnellboote der Kriegsmarine eher allgemein bzw. in sehr präziser Weise. Die „Lebensläufe“ und die Erfolgstabellen sollen nun ergänzend und darüber hinaus das bereits bekannte Bild abrunden und vervollständigen.

Vor Abschluss des Erarbeitungsprozesses beider Hauptteile sollten Gerhard Hümmelchens Buch „Die deutschen Schnellboote im Zweiten Weltkrieg“ (Mittler-Verlag, Hamburg, Berlin, Bonn, 1996, ISBN 3-8132-0487-1) und die veröffentlichten Erfolgstabellen als Sekundärquelle genutzt werden, um die Ergebnisse zu bestätigen und weitere Lücken zu schließen. Dabei stellte sich heraus, dass das Buch auf nahezu jeder Seite einen oder mehrere Fehler enthält. Die Folgerung war, dass das Buch nicht, wie angenommen, als eine belastbare Sekundärquelle angesehen werden konnte. Die erarbeitete Fehleranalyse ergab nach Umfang ein eigenes umfangreiches Dokument, das hier einsehbar wird.
Da sich weder für die Sammlung der „Lebensläufe“ noch für die „Hümmelchen-Kritik“ ein Verleger fand, der bereit war, sie in Buchform herauszubringen, fiel der Entschluss, sie im Internet an prominenter Stelle, im „Historischen Marinearchiv“, darzustellen. Es erscheint sinnvoll, als eine für die Zukunft geplante Ergänzung parallel zu den Schnellboots-Tagebüchern auch die Lebensläufe ihrer Kommandanten aufzunehmen.

Der zweite Hauptteil, die von Thomas Weis erstellten und in gemeinsamer Arbeit ergänzten Übersichtstabellen der Schnellbootsunternehmungen und -erfolge, ermöglichen es zum ersten Mal, ebenso wie bei den zahlreichen im Internet nutzbaren Darstellungen zum Unterseebootskrieg anhand von Zeit und Ort eine konkrete Ereignissuche durchzuführen, Querbeziehungen herzustellen und die Verhältnismäßigkeit der zahlreichen Unternehmen der Schnellboote und ihrer nicht so zahlreichen Erfolge nachzuvollziehen. Auch in diesem Fall musste berücksichtigt werden, dass zugrunde liegende Daten Gerhard Hümmelchens viele Fehler und Auslassungen enthielten und eine entsprechende Prüfung aller Angaben notwendig war.
Die Verbindung zwischen den beiden Hauptteilen, den Unternehmens- und Erfolgstabellen und den ursprünglich in WORD verfassten Boots-„Lebensläufen“ erfordert eine Überarbeitung der letzteren, d.h. eine Überführung der Dateien von der WORD- in die EXCEL-Form, die eine Verlinkung ermöglicht. Diese umfangreiche Arbeit ist für das 1. Halbjahr 2020 vorgesehen.

Bei einer derart umfangreichen Arbeit sind Fehler aus statistischer Sicht nahezu unvermeidbar. Alle Leser werden gebeten, das HMA und den Ersteller auf solche aufmerksam zu machen.

Es gibt, wie anfangs erwähnt, in diesem Bereich auch zwei Nebenteile. Diese sind
- die bereits oben erwähnte Hümmelchen-Buch-Kritik und
- eine Darstellung des für die Schnellboote im Einsatz an der englischen Küste singulär verwandten Schlüsselmittels „Schnepfentafel“. Diese ist bisher in keiner Publikation – außer einer flüchtigen Erwähnung – behandelt worden.

Noch „Zukunftsmusik“ ist ein geplanter, gerade begonnener dritter möglicher Hauptteil, der die Lebensläufe der Kommandanten der Schnellboote umfassen soll. Hierfür wird eine Zuarbeit der FMA-Mitglieder erbeten, die sich mit dem Thema „Personal“ intensiver befasst haben. Auf diese Weise wird die „Schnellbootsseite“ auch ein Gemeinschaftswerk sein.

Mit diesen Informationen soll den Lesern und Nutzern des Historischen Marinearchivs ein so komplett wie mögliches Bild zu diesem interessanten Kapitel deutscher Seekriegsführung zu bieten.

Ein ganz besonderer Dank gilt den Herren Thorsten Reich und Karl-Heinz Jockel, ohne die dieses Vorhaben nicht möglich gewesen wäre.

Urs Heßling


Es wurden 985 Datensätze gefunden
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Angreifer Angegriffener
Details Raum Datum Nat. S-Boote Flottille Waffe Konvoi Nat. Typ Name Tonnage Treffer Position
O03.09.1939 dtS 231 A po -Df Lloyd Bydgoski II 133 BRT + 54.35n 18.08e
O22.06.1941 dt5 Boote3 M vor Libau
O22.06.1941 dt4 Boote3 M vor Windau
O22.06.1941a dtS 593 T le -D Gaisma 3077 BRT + 57.21n 21.00e
O22.06.1941b dtS 603 T le -D Gaisma 3077 BRT + 57.21n 21.00e
O22.06.1941 dtS 313 AS sj -Df RT-24 Schtschuka 316 BRT + E Libau
O22.06.1941 dtS 44 1042 M Moonsund
O22.06.1941 dtS 42 1052 M im Soelosund
O22.06.1941 dtS 27 285 M Irbenstraße, West
O22.06.1941 dtS 285 A es -D Estonia 1181 BRT P 57.55n 20.06e
O22.06.1941 dt4 Boote2 TA es -D Liisa 782 BRT + 59.10n 22.48e
O22.06.1941 dtS 442 T sj PC MO-238 53 ts + Hangö
O24.06.1941 dt3 Boote3 M Irben Straße
O23.06.1941 dtS-Boote ? T es AX Hiiumadal ex Nekmangrund 400 ts + NW Dagö 59.03n 22.15e
O23.06.1941a dtS 353 T sj SS S-3 850 ts / vor Backofen
O23.06.1941b dtS 603 W sj SS S-3 850 ts + vor Backofen
O24.06.1941 dt6 Boote2 M N Kap Tahkuna
O24.06.1941 dtS 44 1042 M sj PM T-208 Shkiv 441 ts + 59.06n 23.01e
O26.06.1941a dtS 613 T es -D Lidaza 2000 BRT + vor Windau
O26.06.1941b dtS 543 T es -D Lidaza 2000 BRT / vor Windau
O26.06.1941c dtS 343 T es -D Lidaza 2000 BRT / vor Windau
O26.06.1941d dtS 553 T es -D Lidaza 2000 BRT / vor Windau
O27.06.1941a dtS 313 T sj PM T-204 Fugas 441 ts / Irben Str., Westteil
O27.06.1941b dtS 593 T sj PM T-204 Fugas 441 ts / Irben Str., Westteil
O27.06.1941 dtS 353 T Zerstörer + Irben Str., Westteil
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Lebensläufe der Kommandanten deutscher Schnellboote im 2. Weltkrieg

Im Aufbau befindlich



A
Adam
Annuß
Arnhardt

B
Becker
Beer
Behrens
Benja
Bennin
Bollenhagen
Bongertz
Boseniuk
Brandi
Breithaupt
Bucher
Buddecke
Burba
Blömker

C

D
Dau
Deckert
Deppe

E
Eilert
Elksneit

F
Fanger

G
Garbers
Glasenapp
Greiner
Grüger
Gurke

H
Hertwig
Heye
Hinrichs
Hoffmann
Holz
Horkisch
Howaldt D
Harmsen
Hosemann

J
Jahraus
Jarminowski

K
Kaufhold
Kehder
Kellinghusen
Kelm
Kemnade
Klockow
Kohrt
Köplin
Kopperneck
Kleinschmidt

L
Licht
Lohse

M
Maniel
Marxen
Mauroschat
Mensch
Max-Schultz

N
Neuburger
Neumann
Neumeier
Nienstedt
Nikelowski
Nordheimer

O
Odermann
Overwaul

P
Pankow
Pape
Petersen
Pillet

Q

R
Räbiger
Rathenow
Reimers
Rolow
Rost
Runge

S
Schannow
Schenke
Schepers
Schiersmann
Schipke
Schlubach
Schneider
Schönfeld
Schorbach
Schultz
Sczesny
Seeger
Seiffert
Silies
Steinhauer
Stockfleth
Svoboda
Strelow
Schroeder

T
Theenhausen
Trummer

V
von Salisch

W
Waldhausen
Wernicke
Westphalen
Wildner
Wüstenberg

Z
Zeiler
Zillmann

Die „Hümmelchen-Kritik“


Die Erstellung der hier vorgelegten Lebensläufe der Schnellboote der Kriegsmarine im 2. Weltkrieg beruht ausschließlich auf Originaldokumenten, nämlich den Kriegstagebüchern des Führers der Torpedoboote (bis 20.4.1942), des Führers der Schnellboote (ab 20.4.1942) und der Schnellboots- und Schnellbootsschulflottillen der Kriegsmarine, die in ihrer Papier-Originalform im Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg vorliegen.
Bestehende Lücken dieser Dokumentation, die für die Wochen der Norwegenunternehmung, für die Sommermonate des Jahres 1943, für den Zeitraum der Invasion, das letzte Quartal des Jahres 1944 und die letzten Kriegsmonate ab 16. Januar 1945 bestehen, wurden so weit wie möglich über andere Primärquellen geschlossen.

Der Erarbeitungsprozess sollte damit abgeschlossen werden, dass ein anerkanntes Standardwerk, Gerhard Hümmelchens Buch „Die deutschen Schnellboote im Zweiten Weltkrieg“ (Mittler-Verlag, Hamburg, Berlin, Bonn, 1996, ISBN 3-8132-0487-1) als Sekundärquelle genutzt wurde, um die Ergebnisse zu bestätigen und weitere Lücken zu schließen.
Dabei stellte sich heraus, dass das Buch auf nahezu jeder Seite einen oder mehrere Fehler enthält. Diese bestehen aus falschen Angaben zu Daten, Positionen und Booten, es fehlt die Beschreibung durchgeführter Unternehmungen und verschiedenen Unternehmungen, die abgebrochen wurden, werden als durchgeführt dargestellt.

Eine erkennbare Fehlerquelle ist sehr wahrscheinlich die Nutzung der von den Flottillen nach einer Unternehmung an den Führer der Schnellboote übermittelten Kurzberichte durch den Autor. Diese weisen in zahlreichen Fällen eine wahrscheinlich beim Diktieren oder Abschreiben entstandene Differenz, insbesondere bei den Nummern der beteiligten Boote, zu den umfangreicheren Kriegstagebüchern aus, die die Vorgänge in weit größerer Genauigkeit beschreiben. Alle diese Fehler finden sich in der Buchdarstellung wieder.
Unerwähnt bleiben die Aufstellung der Dienststelle „Führer der Schnellboote“ im April 1942, die vorhergehenden Denkschriften des Führers der Torpedoboote und die folgenden des Führers der Schnellboote zu den Einsatzmöglichkeiten der Boote und zu den entsprechenden technischen und personellen Forderungen.
Es ist zudem erkennbar, dass das Buch nicht auf Schreibfehler hin redigiert wurde.

Die Folgerung war, dass das Buch nicht, wie angenommen, als eine belastbare Sekundärquelle angesehen werden konnte. Die erarbeitete Fehleranalyse ergab nach Umfang ein eigenes umfangreiches Dokument, das hier zur Nutzung eingestellt wird.

Die Erstellung des Dokuments war mit einem hohen Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden. Ich fände es daher angemessen, ein Herunterladen und Nutzen der Datei mit einer Spende an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zu vergelten.

Urs Heßling



 


Die „Schnepfentafel“


Die Schnepfentafel, offiziell „Signaltafel Schnepfe“, ist ein bisher in der Literatur nicht behandeltes Schlüsselmittel der deutschen Schnellbootwaffe im 2. Weltkrieg.
Sie war ein „Notbehelf“ oder eine „Improvisation“.

Die Entstehung beruhte auf der im Herbst 1941 durch Erfahrung entstandenen Erkenntnis, dass die Verwendung des Schlüsselmittels ENIGMA bei den Schnellbootseinsätzen in der Nordsee zu nicht vertretbaren Verzögerungen in der Befehls- und Meldekette führte.
Bedingt war dies durch die Struktur der Bootsbesatzung. Ein Schnellboot hatte zwei Funker, beide Mannschaftsdienstgrade; ein Unteroffiziersdienstposten war nicht vorgesehen. Einer der beiden Funker musste das auf der Brücke vorhandene UKW-Sprechfunkgerät bedienen, der andere im Funkraum musste Funksprüche im Tastfunk hören und entschlüsseln und gegebenenfalls eigene Sprüche verschlüsseln und senden. Das führte zu Zeitverzögerungen, die vom „Führer der Torpedoboote“, der die Schnellboote im Einsatz auch nach Ergebnissen der Luftaufklärung und des B-Dienstes (Funkauswertung) führte, als „nicht tragbar“ bewertet wurden.

Es war bisher nicht möglich, die Personen zu identifizieren, die die Entwurfs- bzw. Gestaltungs- und die Namensidee hatten. Wahrscheinlich war eine der Schlüsselfiguren der langjährige Einsatzoperationsoffizier des „Führers der Torpedoboote und später des „Führers der Schnellboote“, Kapitänleutnant Bernd Rebensburg.
Die „Schnepfentafel“ wurde am 18.11.1941 offiziell in Gebrauch genommen und bewährte sich sofort, siehe Auszug aus der Denkschrift „Die Schnellbootwaffe im Kampf gegen die britische Zufuhr“ des „Führers der Torpedoboote“ vom Dezember 1941.

Was war nun die „Schnepfentafel“?
Sie war eine Kurzsignaltafel, bei der auf einer DIN A4-Seite insgesamt 174 Kurztexte, die Taktik, eigene und feindliche Einheiten, Positionen wie z.B. Marinequadrate und bekannte Tonnen im Feindgebiet, Uhrzeiten, Geschwindigkeiten und Befehlsgeber und -adressaten beschrieben, mit einem vier-Buchstaben-Kode verschlüsselt wurden.
Ein Kombinationstext wie z.B. „Nordgehender Geleitzug um 01:00 bei Tonne 55A“ konnte dann offen (!), das heißt ohne Nutzung der ENIGMA, mit drei Vier-Buchstaben-Gruppen an die Boote in See gefunkt werden. Es ist nicht ohne Ironie, dass das Senden – wie bei den Radiosendungen des BBC – mit einem dreifachen Senden des Morse-Buchstabens „V“ – kurz, kurz, kurz, lang - eingeleitet wurde.
Als Marinedienstvorschrift hatte sie die Nummer 79 (MDv Nr. 79) und den Titel „Signaltafel „Schnepfe““.

Durch die Auswahl der Texte war der Gebrauch auf das Haupteinsatzgebiet der Schnellboote an der englischen Südostküste zwischen der Enge Dover-Calais und der Humbermündung beschränkt.
Ein Signalbuch (die Ausgaben hatten eine römische Nummerierung) umfasste 10 Verschlüsselungs- und Entschlüsselungsseiten oder –tafeln, die mit den arabischen Ziffern 1-10 bezeichnet waren und von denen nur jeweils eine (vorher befohlen) mit in den Einsatz genommen werden durfte. Eine Tafel durfte nur dreimal benutzt werden. Die Tafeln waren auf wasserlöslichem roten Papier gedruckt.
Wahrscheinlich ist aufgrund dieser Sicherheitsmaßnahmen dem Gegner nie eine Entschlüsselung der Signale der Schnepfentafel gelungen; jedenfalls ist bisher keine bekannt.

Urs Heßling










Die Denkschrift des FdT und einige Ansichten der Schnepfentafel (anklicken zum Vergrößern)