DIE MARINE-RUNDSCHAU

Verzeichnis aller Aufsätze von 1890 bis 1989

Marine-Rundschau 1890

Die Zeitschrift MARINE-RUNDSCHAU wurde 1890 vom späteren Großadmiral Alfred von Tirpitz begründet und erschien - mit Unterbrechung durch zwei Weltkriege - bis 1989. Ein Jahrhundert lang war sie ein Spiegel der technischen wie auch historischen Entwicklung des Kriegschiffbaus, der Flottenrüstung und des Seekrieges. Herausgegeben wurde die MARINE-RUNDSCHAU zunächst als Beiheft zum Marineverordnungsblatt. 1895 regte Tirpitz in einem pro memoria für einen Immediatvortrag bei Kaiser Wilhelm II. an, die MR künftig als eine selbständige Monatsschrift erscheinen zu lassen, mit dem Ziel, „das Verständnis des deutschen Volkes für die Wehrkraft zur See zu heben.“ Im 25. Jahrgang aber, mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges, musste die MR vorläufig ihr Erscheinen einstellen.

Nach der durch Krieg, Revolution und die schwierige Nachkriegszeit bedingten Zwangspause folgte mit dem 26. Jahrgang im Januar 1921 ein Neubeginn für die MR. Die Gliederung der Zeitschrift änderte sich auch nach dem Kriege nicht grundlegend. Herausgeber war nun das Allgemeine Marineamt der Reichsmarine. Diesmal erschien sie bis zum 49. Jahrgang 1944, die meiste Zeit, nämlich von 1929 bis 1942, geleitet von Konteradmiral Reinhold Gadow. Wiederum aus "kriegsbedingten Gründen" wurde das Erscheinen der MR mit dem Augustheft 1944 abgebrochen. Schon in den letzten Kriegsjahren war die Zeitschrift immer mehr zu einer Propaganda-Postille verkommen, die über den Kriegsverlauf nur noch aus der Sicht des deutschen Oberkommandos berichtete. Besonders der früher so interessante Nachrichtenteil schrumpfte gnadenlos zusammen.


Redaktionsbesprechung

Die dritte Erscheinungsperiode der MR begann acht Jahre nach dem verlorenen Krieg im Januar 1953 mit dem 50. Jahrgang, wie schon von 1895 bis 1944 im traditionellen Verlag E.S. Mittler. Hauptschriftleiter war zunächst Admiral a.D. Erich Förste. Ab August 1956 übernahm der Arbeitskreis für Wehrforschung die Herausgabe. Hauptschriftleiter wurde Jürgen Rohwer, später Präses des Arbeitskreises und von 1959 bis 1989 Direktor der Bibliothek für Zeitgeschichte, Stuttgart. Wichtiger Wegbereiter und Mitarbeiter der MR war Erich Gröner, dem Fachpublikum bereits seit 1936 durch seine Publikation Die deutschen Kriegsschiffe, durch seine detaillierten Schiffszeichnungen und das Nachrichtenblatt Unimare bekannt. Die Unimare wurde als Nachrichtenteil in die MR integriert, Gröner führte dessen Redaktion bis zu seinem Tod 1965, danach übernahm Gerhard Hümmelchen das Fachreferat für die deutsche Marine, Erich Lawrenz, Niels Neelsen und Hannsjörg Kowark nacheinander das Fachreferat für die Auslandsmarinen, Jürgen Friese und anschließend Hans-Jürgen Witthöft die Handelschiffahrt.
Bei den historischen Beiträgen lag das Schwergewicht zunächst auf dem Zweiten Weltkrieg, Autoren waren oft Entscheidungsträger, Zeitzeugen und Militärhistoriker. Bei den technischen Beiträgen taten sich vor allem Siegfried Breyer für den Kriegsschiffbau der Sowjetunion und Stefan Terzibaschitsch für die Vereinigten Staaten hervor. Zur Themen der aktuellen Sicherheitspolitik konnten führende Politiker und Admirale gewonnen werden, wie Josef Luns, Lord Chalfont, Sir Terence Lewin, James L. Holloway, und 1985 sogar der sowjetische Flottenadmiral Sergej Gorschkow, oder wichtige Historiker wie Robert O’Neill, Robert Scheina, Norman Polmar, und Charles F. Barnaby.


Rohwer und
Hümmelchen

Im Laufe des Jahres 1973 geriet der Verlag E.S. Mittler in finanzielle Schwierigkeiten und es kam zu Unregelmäßigkeiten beim Erscheinen mehrerer Hefte. Aus diesem Grund vollzog die MR mit Beginn des Jahres 1974 einen Verlagswechsel. Neun Jahre lang erschien die Zeitschrift bei J.F. Lehmann und dem kurz darauf fusionierten Verlag Bernard & Graefe.
1977 stellte die MR auf das Folio-Format um, damit war eine erhebliche Vermehrung des Text- und Bildumfangs verbunden. Für die Illustration der Beiträge wurde immer stärker der schnell wachsende Fotobestand des Marinearchivs der Bibliothek für Zeitgeschichte herangezogen.
1983 ging der "Verlag für Wehrwesen" in neue Hände über. Dem Verlagsleiter der Mönch-Gruppe schwebte bei der MR eine völlig andere Form der Zeitschrift vor. Um die Zeitschrift finanziell attraktiv zu machen, sollte sie zu einem Werbeträger für Marinetechnik und Rüstungsindustrie werden. Die Beiträge waren diesem Zweck anzupassen. Statt wissenschaftlicher Beiträge und politischer Auseinandersetzung waren Beiträge erwünscht, die von den Inseraten dominiert wurden.
Der Widerstand des Chefredakteurs und seines Mitarbeiterstabes wurde durch einen vom Verlag angezettelten „Kleinkrieg“ gebrochen, der zur Normalität des Redaktionsalltags wurde und sich in der Korrespondenz zwischen Verlag und Redaktion dokumentiert, die bei der Bibliothek für Zeitgeschichte archiviert ist.

Fertig geplante und in die Wege geleitete Ausgaben wurden aus Werbegründen kurzfristig umgeworfen, die finanzielle Zuwendung des Verlags schrumpfte zusammen, die technischen Ansprüche an die Redaktion wurden dagegen hinaufgeschraubt. Als sich der Verlag im Januar 1986 weigerte, einen Leitartikel des neuen Oberbefehlshabers der sowjetischen Flotte, Wladimir Tschernawin, zu veröffentlichen, weil "rotes Propagandageschwätz" Auftraggeber für Inserate verärgern und keine müde Mark einbringen würde, kündigte Jürgen Rohwer seine Stellung und Mithilfe fristlos auf.


Marine-Rundschau 1977

In Heft 1 / 1986 erschien der Name von Jürgen Rhades als neuem Schriftleiter. Über den Wechsel wurde kein Wort verloren. Im Impressum verschwanden die Namen langjähriger Mitarbeiter. Der Nachrichtenteil wurde zu einer Propaganda-Ecke für technische Entwick-lungen des militärisch-industriellen Komplexes des Westens. Über die bei der Bundesmarine neu in Dienst gestellten Flottendienstboote wurde z.B. geschrieben, dass die Kojen „aus hochwertigen Materialien gefertigt und sehr bequem“ seien. Über die Technik der Signal Intelligence dagegen kein Wort. Die „Abstracts“ für den raschen Überblick fremdsprachiger Leser wurden gestrichen. Mit Heft 6 des 86. Jahrgang kam dann – rechtzeitig vor dem Jubiläum – das „Aus“. Der Geschäftsführer der Verlagsgruppe Mönch, Manfred Sadlowski, widmet dem Vorgang eine Druckseite (mit eigenem Porträt!) und schrieb:

„Kurz vor dem 100jährigen Bestehen, das im Jahr 1990 hätte begangen werden müsssen [Au, weiha! Th. Weis], haben sich die Eigentümer entschlossen, das Erscheinen der MR einzustellen. ... Nun wissen nur die Insider des Verlagswesens, dass eine Fachzeitschrift, die in ihrer Kalkulation einen hohen Preis teurer Dienstleistungen, weil qualifizierter Inhalt, verkraften muss, und dass eine gewisse Anzahl von Anzeigen notwendig ist, um "break-even" zu erreichen. Und dies ist seit einiger Zeit nicht mehr möglich. Wir als Verlag haben Verständnis dafür, dass die Anzeigenkunden, in erster Linie Werft-, aber auch die Waffen- und Waffen- und Elektronikindustrie, hart rechnen müssen, um bestehen zu können. Diese Unternehmen setzen ihre Werbung dort an, wo Unterstützung im Wettbewerb erfolgt. So wird man von deutschen Unternehmen mehr Anzeigen in der englischsprachigen Naval Forces [auch Mönch Publishing Group] finden als in der Marine-Rundschau. ... Ein Verlag ist kein Marineinstitut, sondern ein kaufmännisches Unternehmen, das sich Sentimentalitäten nicht leisten kann.“

Am Schluss hatte die MR alles verspielt, was eine gute Zeitschrift ausmacht. Erst die Interessenten und dann die Inserenten. Mit Heft 6 des Jahres 1989, das ja zugleich den Anfang vom Ende des Kalten Krieges markiert, stellte die MR ihr Erscheinen ein.


Technische Vorbemerkung


Marine-Rundschau 1989

In drei Beiträgen zu den Jahresbibliografien der Bibliothek für Zeitgeschichte (1977-1979) erstellte der langjährige BfZ-Mitarbeiter Max Gunzenhäuser einen systematischen Katalog der in der MARINE-RUNDSCHAU publizierten Aufsätze, jeweils getrennt für die einzelnen Epochen ihres Erscheinens. Für die verbleibenden 10 Jahre gibt es einen solchen systematischen Katalog nicht mehr.
Mein Freund Reinhard Hoheisel-Huxmann von Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven hatte die Idee, die Gunzenhäuser-Kataloge einzuscannen, mit dem Verfahren der optischen Zeichenerkennung durchsuchbar zu machen, und dem Historischen Marinearchiv als weiteres Findmittel wichtiger marinegeschichtlicher Quellen anzubieten.
Für die Zeit der verbliebenen 10 Jahre unternahm er die Mühe, die Jahresregister einzuscannen und aufzubereiten, die den Abonnenten der Zeitschrift am Ende eines jeden Jahres mitgeliefert wurden. Wir haben mithin in einer PDF-Datei, die nach Schlagwörtern problemlos in einem Zug durchsucht werden kann, für den Nutzer, der eine systematische Suche vollziehen möchte, 4 Abschnitte (die aber immer 70 MB Größe haben!):

Den drei Abschnitten seines Systematischen Kataloges hat Gunzenhäuser jeweils eine Erläuterung vorangestellt. Dem Nutzer, der bestimmte Themenkreise sichten möchte, sind diese Erläuterungen eventuell wichtig; dem Nutzer, der allein nach Schlagwörtern sucht, werden diese Erläuterungen nicht stören. Ein einziger Nachteil brachte die Digitalisierung der Gunzenhäuser-Artikel durch das optische Erkennungsverfahren allerdings mit sich, und läßt sich mit dem heutigen Stand der Technik auch noch nicht beheben. Gunzenhäuser hat die Namen der Autoren g e s p e r r t gedruckt. Das OCR-Verfahren kann Wörter in einer solchen Schreibweise derzeit noch nicht als durchgängige Zeichenkette identifizieren. Es hilft leider auch nicht, nach Namen wie z.B. B R E Y E R im Sperrdruck-Modus zu suchen, auch damit erzielt man in den meisten Fällen keinen Treffer.

Wir hoffen, dem Nutzer nichts desto weniger mit dem MR-Verzeichnis eine brauchbare Findhilfe an die Hand gegeben zu haben, und wünschen Euch viel Freunde und Gewinn beim „Stöbern“.


Thomas Weis (BfZ) und Reinhard Hoheisel-Huxmann (DSM)


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