M 601



Epoche : Kriegsmarine
Kennung : M 601
Funktion : Minensuchboot
Schiffstyp : M 43
Auftraggeber : Kriegsmarine
Bauauftrag : 00.00.0000
Bauwerft : Neptunwerft, Rostock
Baunummer : 535
Baubeginn : 00.00.1943
Stapellauf : 31.08.1944
Indienststellung : 15.11.1944
Ausserdienststellung : 00.00.1947 §
Verbleib : 1948 in England verschrottet


Verdrängung (max. t): 821
Länge (m) : 67,75
Breite (m) : 9,00
Tiefgang (m) : 2,68
Seitenhoehe (m) : 3,65
Antrieb Anzahl : 2
Antrieb Typ : steh.3zyl.3fach Expansionsmaschinen
Schrauben Anzahl : 2
Schrauben ⌀ : 1,85
Maschinenleistung Gesamt : 2709 PSi
Geschwindigkeit : 17
Treibstoffvorrat : 156
Fahrbereich : 4000 / 10
Besatzung : 6 / 101
Bewaffnung : 2x 10,5cm
2x 3,7cm
8x 2cm
6x Wabo-Einzellager
4x Wabo-Werfer
24 Minen
- 22.11.1944 - 12.Minensuchflottille (II) [4]
- 10.05.1945 - brit. Beute
- 15.10.1945 - GM/SA - 1.MRD (Kiel) - 12.MS-Flottille [3]
- 00.00.1948 - in England verschrottet

Gedanken an mein Kriegsende auf M 601. Von Egon Otten

Ich erlebte das Ende des zweiten Weltkrieges auf dem Minensuchboot "M601" in Sonderburg in Dänemark. Wir waren am Todestag des Führers aus Rostock ausgelaufen, vollgeladen mit Flüchtlingen. Zum Teil Familien welche schon eine lange Flucht hinter sich hatten. Wir verließen morgens am 30.04.45 die Rostocker Neptun Werft und liefen erst einmal nach Warnemünde, hier legten wir beim Verpflegungsamt an und ergänzten unsere Vorräte und viele andere gute Dinge, die wir im Verpflegungsamt vorfanden. Ich persönlich hatte mir eine Kiste Schokolade organisiert, denn das Verpflegungsamt sollte gesprengt werden. Kaum hatten wir die Pier verlassen, als ein russischer Panzer auf dem Strandgelände auftauchte und uns einen Schuß nachsandte.

Unser Zielhafen sollte Kiel sein, da wir dort stationiert waren. Auf der Nachtfahrt dorthin, wo es immer wieder U Boots Alarm gab, wurde die Meldung von Hitlers Tot über die Bordlautsprecheranlage verbreitet, gleichzeitig wurde Großadmiral Dönitz zu seinem Nachfolger ernannt. Für uns ganz jungen Soldaten ein Gefühl von Haltlosigkeit die aufkam. Auf jedenfalls war alles froh darüber, daß nun wohl endlich der Krieg zu Ende gehen soll. Kiel wollte uns nicht haben, man beschäftigte sich damit Papiere und Unterlagen zu verbrennen und es ging nicht einmal eine Leine an Land. Die Order lautete nach Dänemark zu laufen.

In See gab viele Fliegeralarme, der Angriff eines Flugbootes mit Bordwaffen wurde von der Bordflak abgewehrt, ohne Zielvorgabe liefen wir nach Kopenhagen und wollten an der langen Linie bei dem Kreuzer Prinz Eugen" und Kreuzer ,,Nürnberg" anlegen, denn wir wollten gerne unsere Flüchtlinge an Land abgeben. Zu einem Anlegen kam es nicht, indem wir Befehl erhielten nach Sonderburg zu fahren. In Sonderburg gingen wir durch die Drehbrücke, welche schon mit Widerstandskämpfern besetzt war, in den Hafen und legten uns im Päckchen zu "M 612". Wir hatten gehofft die Flüchtlinge abgeben zu können, aber die Dänen waren nicht mehr bereit, Deutsche Flüchtlinge aufzunehmen. Noch herrschte Kriegszustand und man mobilisierte alle Schiffe die noch fahrbereit waren, die eingeschlossenen Truppen aus Kurland zu evakuieren. Auch für unsere beiden Boote M 601 und M 612, die zur neuen 12. MS-Flottille gehörten, galt es dafür Vorbereitungen zu treffen. Zunächst war der Brennstoffvorrat, sprich Kohlen, zu ergänzen. Beide Schiffe gingen nach Apenrade zum Bunkern. Der Steinkohlenvorrat war verbraucht und es gab nur noch Braunkohlenbriketts. Damit eine hochwertige Kesselanlage zu beheizen, in Kriegszeiten war fast unmöglich. Bei dem großen Dampfbedarf der Maschinen, kam anstatt Rauch, nur Funkenflug aus dem Schornstein, welches bei kriegsmäßigen Fahren in der Dunkelheit, sehr gefährlich sein konnte.

Beide Schiffe kehrten nach Sonderburg zurück. M 612 hatte an der Pier festgemacht, wir legten uns wiederum dazu ins Päckchen. Jetzt ging durch unser Schiff eine seltene Unruhe. Es wurde von Aussteigen und Abhauen gesprochen und es ist schon richtig, dass man keine Lust mehr verspürte nach Kurland auszulaufen, überhaupt noch den Kopf hin zu halten. Die Unruhe hatte ihren Ursprung im techn. U-Raum ( Unteroffiziersmesse). Fünf Leute unseres Schiffes verschwanden in der Nacht und tauchten auch nicht wieder auf. Sie sollen von den Dänischen Widerstandskämpfern aufgegriffen worden sein. [Link 2].
Gröner, Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945, Band 2
[1] Gröner, Die dtsch. Kriegsschiffe 1815-2015, Bd.9/1, S.51, 103
[2] Hildebrand/Lohmann: Kriegsmarine 1939-1945, Kap.65, S.34
[3] Rohwer: Fahrzeuge des dt. Minenräumdienstes, MR (H.1) 1961
[4] Hildebrand/Röhr/Steinmetz, Die dt. Kriegsschiffe, Bd.9, S.63
[5] http://navyworld.narod.ru/m17.htm#M-601
[6] http://navyworld.narod.ru/MinensuchenBRD1.htm
[7] https://forum-marinearchiv.de/smf/index.php?topic=6014.msg75774#msg75774
[8] https://forum-marinearchiv.de/smf/index.php?topic=43133.msg43133