DER DEUTSCHE LUFTMINENEINSATZ AUF DER DONAU

Verfasst von Renato Schirer

Ende Dezember 1944 raffte sich die Luftwaffe noch einmal zu einem größeren Unternehmen auf, welches im Schatten der Ardennenoffensive kaum eine Beachtung fand. Diesem Einsatz war ein über drei Monate dauerndes Geplänkel zwischen Marine und Luftwaffe vorangegangen, welches zum Teil groteske Züge angenommen hatte. Als Folge des russischen Vormarsches auf rumänisches und bulgarisches Gebiet forderte die Seekriegsleitung am 5. September 1944 erstmals eine Verminung der Donau durch das Luftwaffenkommando Südost.[1] Doch der Kampfauftrag konnte wegen Treibstoffmangels nicht durchgeführt werden und das Oberkommando der Luftwaffe teilte lapidar mit, dass die Luftwaffe aus diesem Grunde den gesamten Kampfeinsatz einstellen musste.[2] Obwohl die Effizienz eines Luftmineneinsatzes aufgrund der von den Alliierten seit April 1944 durchgeführten Donauverminung bekannt war, kam das Thema in den nächsten Wochen nicht mehr zur Sprache. Aktualisiert wurde das Thema erst als der General des Seewesens der Luftwaffe, auf Weisung des stellvertretenden Chefs des Generalstabes der Luftwaffe, am 20. November 1944 Großadmiral Dönitz über die bisher gewonnenen Erkenntnisse bezüglich des Luftmineneinsatzes vortrug.[3]

Eine Folge dieses Vortrages war, dass es einerseits zu einem Neustart bezüglich einer Verminung der Donau aus der Luft kam, andererseits beschuldigten sich Marine und Luftwaffe gegenseitig, für die in den vergangenen Monaten verpassten Möglichkeiten die Verantwortung zu tragen. Während man von Seiten der Marine auf die bereits zitierte Ablehnung vom 5. September hinwies, versuchte die Luftwaffe ihren Teil der Verantwortung zu verschleiern. Das führte dazu, dass die Seekriegsleitung, wohl aufgrund einer Desinformation der Luftwaffe, vom Inspekteur des Minenräumdienstes Donau (IMRDD) die Gründe für die mangelnde Unterstützung für ein diesbezügliches Vorhabens der Luftwaffe einforderte. In einem Fernschreiben vom 22. November hieß es dazu:[4]
„Luftflotte 4 hat vom Inspekteur Minenräumdienst erbetene Unterstützung bei Vorbereitung Verminung Donau nicht erhalten. Umgehend melden, welche Unterlagen dazu fehlen. Gegebenenfalls bei zuständiger Stelle dringend anfordern. Seekriegsleitung legt auf weitgehendste Zusammenarbeit mit Luftwaffe bei Minenaufgaben größten Wert.“ Da bei der Dienststelle des IMRDD in Belgrad nichts von einer erbetenen Unterstützung bekannt war, übermittelte der IMRDD, Kapitän zur See Lautenschlager, den Text des Fernschreibens der Seekriegsleitung an das Luftflottenkommando 4, mit der Bitte um Aufklärung. Nach einer telefonischen Aussprache und der Klärung des Sachverhaltes konnte Lautenschlager der Seekriegsleitung melden, dass dem Luftflottenkommando 4 nichts von einer vom IMRDD erbetenen und nicht gewährten Unterstützung bekannt war.[5]


Schiffsverkehr auf der Donau
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Drei Tage nach dem ersten Kontakt zwischen dem IMRDD und dem Luftwaffenkommando Südost, wegen des unberechtigten Vorwurfs der mangelnden Unterstützung, übermittelte der Chef des Generalstabes der Luftflotte 4, am 25. November, fernschriftlich die Vorstellungen der Luftwaffe an den IMRDD: [6]
„1) Es muss angenommen werden, dass Wasserweg Donau durch Feind für Versorgung seiner Südostfront weitgehend ausgenutzt wird, da die über die Karpaten führenden Eisenbahnstrecken dafür nicht ausreichen dürften. Schiffsraum ist nach vorhandenen Unterlagen ausreichend vorhanden (etwa 30 Fahrgastschiffe, 140 Zug- und Motorschiffe, 650 Güterkähne und 250 Tankkähne, insgesamt etwa 250000 BRT Frachtraum ohne Tankraum – Tagesleistung durchschnittlich 140 km also auch für Truppentransporte ausreichend).
2) Verkehr kann durch laufende Verminung wirksam gestört werden. Völlige Ausschaltung des Donauverkehrs mit zur Verfügung stehenden Kräften nicht zu erreichen. Auch den Engländern gelang dies mit stärkeren Kräften nicht. Zur Verminung geeignet erscheint der gesamte Flusslauf mit Ausnahme der dichtbesiedelten Gegenden (vorzeitiges Erkennen) und Kataraktenstrecke (hohe Stromgeschwindigkeit, geringe Breite, daher schlechte Trefferaussichten). Da Fahrrinne erheblich schmaler als Gesamtflusslauf, ist eingehende Vorbereitung für Mineneinsatz erforderlich.
3) Für Mineneinsatz wird aus Kampfgeschwader 4 eine Staffel mit im Minenlegen erfahrenen Besatzungen als Sonderstaffel zusammengestellt (Besatzungen mit Erfahrungen im Minenlegen im Englandeinsatz Themsebogen, Humbermündung, Ferner Krim und Schwarzmeer).
4) Darüber hinaus erfolgt weitere vorbereitende theoretische Ausbildung und Einweisung der Sonderstaffel durch einem vom OKL, General der Kampfflieger (LM) zur Verfügung gestellten Spezialisten für Mineneinsatz, der gleichzeitig Luftflottenkommando 4 in Einzelheiten und Neuerfahrungen beraten kann.
5) Technische Unterstützung für Mineneinsatz nach Vereinbarung mit OKL General der Kampfflieger (LM) in Wiener Neustadt (LM-Zug) Bevorratung. Dort Absprung der Sonderstaffel. Entsprechende Weisung an Luftflottenkommando Reich erbeten.
6) Mineneinsatz wird in enger Zusammenarbeit mit Inspekteur Minenräumdienst Donau durchgeführt.“

So konnte es für alle Beteiligten keine Überraschung mehr sein, als der Führungsstab des Oberkommandos der Luftwaffe am 26. November 1944 befahl, für die Durchführung des Luftmineneinsatzes auf der Donau eine Staffel aufzustellen, die sich aus im Luftmineneinsatz besonders erfahrenen Besatzungen des Kampfgeschwaders 4 zusammensetzen sollte.[7] In dem Befehl wurde auch verlangt, dass das Luftflottenkommando 4 in enger Zusammenarbeit mit den General der Kampfflieger und den örtlichen Kommanden der Kriegsmarine unverzüglich die geeigneten Minen und Zünder auswählt und die Stromabschnitte bestimmt, wo entsprechend der Wasser- und Strömungsverhältnisse sowie unter Berücksichtigung der militärischen Lage der größtmögliche Erfolg gewährleistet ist. Des Weiteren sollte auf eine sichere Auffindbarkeit der zu verminenden Stromabschnitte geachtet und die Verwendung von entsprechenden Navigationshilfen angestrebt werden.[8] Kapitän zur See Lautenschlager sagte unverzüglich seine volle Unterstützung zu, so dass nun alle Voraussetzungen gegeben waren, um „Nägel mit Köpfen zu machen“.[9] Am 27. November hatte die Luftwaffe einen Vorschlag über die zu verwendenden Luftminen und die dafür erforderlichen Zündgeräte auf dem Tisch.[10]

Noch am 27. November äußerte sich Admiral Fricke, der Oberbefehlshaber der Marinegruppe Süd, welche nach dem Abzug aus Sofia in Wien untergezogen war, dazu im Kriegstagebuch: „Es ist bedauerlich, dass dieser Weg nicht schon früher beschritten wurde. Meine sofort nach dem Umfall Rumäniens erfolgte Anregung zur Verminung des aufgegebenen Donauteils durch eigene Flugzeuge war seinerzeit von der Luftwaffe aus Mangel an Fliegerkräften und Betriebsstoff abgelehnt worden“.[11] Am Tag darauf, am 28. November, findet sich im Kriegstagebuch (KTB) der Seekriegsleitung erstmals ein Hinweis auf eine geplante Donauverminung, wobei besonders darauf hingewiesen wurde, dass die Seekriegsleitung die Verwendung des D-Geräts (Druckdosen-Zündgerät, ein neuartiger, nicht räumbarer Zünder) für den Einsatz im Südostraum nicht freigibt.[12] Zu diesem Zeitpunkt hatte die Donauflottille bereits 100 Luftminen des Typs LMB, im Auftrag des IMRDD, von Marinefährprämen aus, geworfen.[13]

Die zu verminenden Abschnitte der mittleren Donau (Quelle: NARA RG-77, Army Map Service M501, Ausschnitte aus den Karten NK 34-3 und NK 35-1):


Karte 1
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Karte 2
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Im Rahmen der vereinbarten Zusammenarbeit zwischen Marine und Luftwaffe wurde nun bekannt, dass die Luftflotte 4 beabsichtige die Donau im Abschnitt zwischen Belgrad und Turnu Maguerele, mit Ausnahme der Kataraktenstrecke, während der nächsten Vollmondperiode zu verminen. Geplant waren zumindest drei nächtliche Einsätze mit jeweils 40 Minen.[14] In den ersten Tagen des Monats Dezember kam es zu einer diesbezüglichen Besprechung beim Luftflottenkommando 4 unter Beteiligung des Stellvertreters des IMRDD, Korvettenkapitän Helleparth, und des DDSG-Lotsen Wentzler.[15] Dabei wurde der Bereich von Turnu Severin bis Turnu Magurelle als für eine Verminung geeignet festgelegt.[16] Kriterien für die Festlegung der zu verminenden Stromabschnitte waren eine Wassertiefe von mindestens 6 Meter bei Niedrigwasser und eine schmale Fahrrinne, die auch bei hohem Wasserstand ein Ausweichen der Schiffe unmöglich machte. Da nur wenige Luftminen zur Verfügung standen, dachte man daran jeweils nur kurze Strecken zu verminen. Überdies sollten die zu sperrenden Stellen navigatorisch günstig liegen und die jeweiligen Abschnitte sollten leicht anzufliegen und in den mondhellen Nächten auch gut auszumachen sein.

Oberleutnant Nestler, der als Kommandant der in Tulln liegenden Minensuchstaffel in den letzten Monaten mit seiner Junkers Ju 52/3m MS die Donau ständig beflogen hatte, sollte für diese Aufgabe dem Luftflottenkommando als Berater zugeteilt werden.[17] Von Seiten der Marine wurde zugesichert zusätzlich noch drei erfahrene Donaulotsen namhaft zu machen, welche bei Bedarf die Einsätze auch mitfliegen sollten.[18] Für alle völlig überraschend machte die Führungsabteilung der Luftflotte 4, bei einer weiteren Besprechung am 3. Dezember den Vorschlag, wegen des anhaltenden Schlechtwetters und der Kräfte- und Flugbetriebsstofflage, auf einen Einsatz der Luftwaffe zur Verminung der Donau zu verzichten. Stattdessen wurde ein Einsatz von Sonderkampfmitteln der Kriegsmarine und der Waffen-SS zur Zerstörung der Donauübergänge vorgeschlagen.[19] Dieser Rückzieher der Luftflotte führte auf Seiten der Marinedienststellen zu einer entsprechenden Verstimmung. Das Marine-Gruppenkommando Süd hielt diesen Vorgang auch im Kriegstagebuch fest und kommentierte das Vorgehen der Luftflotte als eine Flucht aus der Verantwortung, zu Lasten der Heeresgruppe Süd und des IMRDD.[20]

Die Luftwaffe verfügte über ausgezeichnete Zielunterlagen, mit Luftbilder und Kartenmaterial, für den Südostraum. Diese hatte man nach dem Abfall Rumäniens und Bulgariens, aufgrund des neuesten Fotomaterials, aktualisiert, wie die Luftbilder von Nikopol/Turnu-Magurele und Turnu-Severin, vom Oktober und November 1944, beweisen.[21]



Luftbild vom 5.10.1944
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Karte von Nikopol/Turnu-Magurele
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Luftbild vom 16.11.1944
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Kurz vor der Auflösung des Marine-Gruppenkommandos Süd notierte Admiral Fricke, am 3. Dezember 1944, im Kriegstagebuch: [23]
„Ich bin der Ansicht, dass wahrscheinlich in etwa 14 Tagen (nächste Vollmondperiode) bei der dann voraussichtlich eingetretenen Lage eine Verminung der oberen Donau im Raum Komaron - Weizen, wie der Inspekteur Minenräumdienst Donau beabsichtigt, wichtiger sein wird, als die dann erst mögliche Durchführung der älteren Pläne der Verminung der mittleren Donau.“ Im KTB der Seekriegsleitung findet sich dazu am 7. Dezember ein kryptischer Kommentar, im dem es heißt: „Marinegruppe Süd hat Kenntnis von diesem Vorschlag. OKL stimmt dem Vorschlag zu.“[23] Als Kapitän zur See Lautenschlager am 9. Dezember beim Luftflottenkommando nachfragte ob überhaupt noch mit einer Donauverminung durch die Luftwaffe zu rechnen sei, blieb seine Anfrage vorerst unbeantwortet.[24] Wohl als Reaktion auf diese Nachfrage teilte die Führungsabteilung der Luftflotte 4 dem Marinegruppenkommando Süd mit, dass die Absicht zur Verminung von lohnenden Abschnitten der mittleren Donau nach wie vor bestehe. Man wolle während der nächsten Vollmondperiode etwa drei bis fünf Mineneinsätze fliegen.[25] Erst zwei Tage später und nach erneuter telefonischer Anfrage erhielt auch Kapitän zur See Lautenschlager bestätigt, dass die Luftwaffe während der nächsten Vollmondperiode eine Verminung der Donau unterhalb Belgrads durchführen werde.[26]

Am 11. Dezember wurde Dönitz neuerlich über die Probleme bei der Donauverminung vorgetragen.[27] Dabei kam auch der Vorschlag der Luftflotte 4, vom 3. Dezember, zur Sprache, anstelle einer Verminung durch die Luftwaffe, Sonderkampfmittel der Marine und der SS-Kleinkampfverbände (Obersturmbannführer Skorzeny) einzusetzen. In dieser Angelegenheit übermittelte die Seekriegsleitung an den Luftwaffenführungsstab folgende Stellungnahme:[28]
„Seekriegsleitung hält ebenso wie OKL Verminung Donau für dringlich. Sie bittet, Einsatzmöglichkeiten Luftflotte 4 erneut überprüfen zu lassen. Einsatz Sonderkampfmittel an Stelle Luftminen nicht durchführbar“.
Eine neuerliche Anfrage wegen der Freigabe der Druckdosenminen für den Donaubereich beschied Dönitz ablehnend und führte als Begründung, neben der Gefahr eines Abschusses eines Minenflugzeuges, auch das Trockenfallen von Minen bei Niedrigwasser an.[29] Nach Auffassung des Sachbearbeiters für den Luftmineneinsatz in der Seekriegsleitung könnte der Gefahr einer raschen Räumung der Luftminen auch ohne den Einsatz von Druckdosen, durch eine entsprechende Mischung von verschiedenen Zündsystemen, begegnet werden.[30] Kapitän zur See Lautenschlager beklagte sich im Kriegstagebuch bitter über das Fehlen einer für alle Wehrmachtsteile verbindlichen Befehlserteilung. Dadurch würde die Verminung der Donau erheblich erschwert, da es an einer gegenseitigen Abstimmung zwischen Heer, Marine und Luftwaffe mangle.[31]


Flugplatz Wiener Neustadt
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Mit Hinblick auf die geplante Donauverminung, die vom Flugplatz Wiener Neustadt aus erfolgen sollte, war es notwendig geworden hier ein eigenes Luftminenlager einzurichten. Da die hochexplosiven und großkalibrigen Minen eine Lagerung abseits des Flugplatzes und außerhalb des verbauten Gebietes erforderlich machte, wählte man zu diesem Zweck eine südlich der Stadt, an der Hauptstraße von Wiener Neustadt nach Neunkirchen, gelegene Schottergrube aus, mit genügend großen Abstand zum dortigen Munitionslager des Heeres im Föhrenwald bei St. Egyden.[32] Hier wurden die zugeführten Luftminen vorerst eingelagert und streng bewacht. Am 17. Dezember vermerkte das KTB der Seekriegsleitung das bis jetzt 50 Stück Bombenminen 1000 und 28 Luftminen B in Wiener Neustadt lagern. Weitere 100 Stück Luftminen A und 100 Stück Minenbomben 1000 sowie 50 Stück Luftminen B waren in Zuführung und sollten bis spätestens 22. Dezember in Wiener Neustadt eintreffen.[33] Bereits in der ersten Dezemberhälfte war der Luftminenzug 11, mit einer Stärke von fast 100 Mann, zur technischen Unterstützung des Unternehmens auf den Fliegerhorst Wiener Neustadt verlegt worden.[34]

Die Ende November auf Anordnung der Luftflotte 4 gebildete Sonderstaffel verlegte mit der II. Gruppe des Kampfgeschwaders 4 am 20. Dezember 1944 vom ungarischen Flugplatz Papa aus nach Wiener Neustadt.[35] Über die unter dem Kommando von Major Carl-Otto Hesse stehende II. Gruppe des Kampfgeschwaders 4 ist nur wenig bekannt. Die drei Flugzeuge der Stabsstaffel waren noch mit Heinkel-Bombern des Typs 111, Baumuster H-16, ausgerüstet. Die Kampfstaffeln hingegen waren mit Maschinen des Baumusters Heinkel 111 H-20 ausgestattet. Dieses Kampfflugzeug konnte im Luftmineneinsatz entweder drei Stück Bombenminen 1000, mit jeweils 1000 kg Gewicht an Bord nehmen, oder drei Luftminen A oder B, zu jeweils 500 kg bzw. 1000 kg.[36] Gemeinsam mit der II./KG 4 kam auch die zur Gruppe gehörige 2./Flughafenbetriebskompanie KG 4, bestehend aus drei Betriebszügen und einem Werkstattzug, mit zusammen rund 150 Mann, nach Wiener Neustadt. Zieht man den Aufwand zur Errichtung eines eigenen Luftminenlagers in Betracht, wozu dann noch der Personalaufwand für die Bewachung und der immense Bedarf an technischen Bodenpersonal kommt, stellt sich die Frage ob sich dieser Aufwand überhaupt lohnte. Besonders, da von den damals in Wiener Neustadt gelagerten Luftminen lediglich 8% auch zum Abwurf gekommen waren.

Der Einsatz sollte planmäßig mit der am 22. Dezember beginnenden Vollmondphase beginnen. Allerdings startete das erste Unternehmen erst in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 1944. Vermint wurden in dieser Nacht die Zielräume A, fünf Kilometer unterhalb von Turnu-Magurele bei Stromkilometer 593—594, und C bei Stromkilometer 640—641, im Bereich der 11 km oberhalb von Corabia gelegenen Ortschaft Beril/Bjeslij, sowie F bei Stromkilometer 760, bei Skomen, 16 km oberhalb von Lom. In dieser Nacht waren nur acht Bombenminen zu jeweils 1000 kg und sieben Luftminen B, ebenfalls mit einem Gewicht von 1000 kg je Mine, zum Abwurf gekommen. Demnach dürfte auch nur ein Teil der Flugzeuge der Gruppe, wahrscheinlich nur jene mit den Spitzenbesatzungen, zum Einsatz gekommen sein. Bedingt durch die große Entfernung zum Zielraum dürfte die Beladung der Flugzeuge unter der Hälfte der maximal möglichen Zuladung gelegen haben.

In der Nacht vom 24. Auf den 25.12.1944 wurden folgende Luftminen verlegt:[37]

Im Bereich Stromkilometer 593 bis 594, fünf Kilometer unterhalb von Turnu-Magurele:
1 Luftmine LMB III/MA1 blau UES 36 Stunden Zählkontakt 1[38] Position: 4343,41 N 2456,36 O
1 Luftmine LMB III/MA1 blau UES 12 Stunden Zählkontakt 1 Position: 4343,37 N 2456,23 O
1 Luftmine LMB III/MA2 blau UES 12 Stunden Zählkontakt 1[39] Position: 4343,11 N 2455,25 O
1 Luftmine LMB III/MA2 blau UES 12 Stunden Zählkontakt 1 Position: 4343,06 N 2455,15 O
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1[40] Position: 4343,31 N 2456,02 O
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: 4343,25 N 2455,55 O
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: 4343,27 N 2456,01 O
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: 4343,23 N 2455,53 O

Im Bereich Stromkilometer 640 bis 641, bei der elf Kilometer oberhalb von Corabia gelegenen Ortschaft Beril/Bjeslij:
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: 4344,01 N 2424,27 O
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: 4343,58 N 2424,20 O

Bei Stromkilometer 760, bei der 16 Kilometer oberhalb von Lom gelegenen Ortschaft Skomen:
1 Luftmine LMB III/MA1 rot UES 12 Stunden Zählkontakt 1[41] Position: 4348,14 N 2302,10 O
1 Luftmine LMB III/MA1 rot UES 36 Stunden Zählkontakt 1 Position: 4348,15 N 2302,11 O
1 Luftmine LMB III/MA1 blau UES 12 Stunden Zählkontakt 1 blind Position: 4348,09 N 2302,07 O
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: 4348,00 N 2302,44 O
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: 4348,02 N 2302,34 O

In der nächsten Nacht, jener vom 25. auf den 26. Dezember 1944 wurde ein neuerlicher Mineneinsatz geflogen, Diesmal wurden im Zielraum B (Stromabschnitt km 616 bis 625) fünf Bombenminen zu 1000 Kilogramm, beginnend von der Ortschaft Dabovan bis zu vier Kilometer unterhalb von Corabia, abgeworfen. Zwei weitere Bombenminen kamen im Bereich des Donauknies ostwärts von Belgrad zum Abwurf. Da nur die Zielräume A, B, C und F vermint wurden, ist zu vermuten, dass jene Flugzeuge welche die Zielräume D und E zugewiesen hatten, ihre Aufgabe nicht erfüllten. Darauf deutet auch der Abwurf der beiden Bombenminen im Raum Belgrad hin, wo auch keine genaue Positionsangabe vermerkt ist.

In der Nacht vom 25. Auf den 26.12.1944 wurden folgende Luftminen verlegt:[42]

Im Bereich Stromkilometer 616 bis 625, von Höhe der Ortschaft Dabovan bis 4 km unterhalb von Corabia:
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: 4344,39 N 2437,49 O
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: 4344,38 N 2437,53 O
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: 4345,20 N 2435,09 O
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: 4345,18 N 2435,14 O
1 Bombenmine BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: 4345,07 N 2336,21 O

im Bereich des Donauknies ostwärts von Belgrad:
2 Bombenminen BM 1000/A 105 Zählkontakt 1 Position: Quadrat 05276[43]




Zielunterlagen zum zweiten
Minenunternehmen
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Zielunterlagen zum zweiten
Minenunternehmen
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Donauknie ostwärts von Belgrad
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Da in den Beständen der Luftwaffe keinerlei Dokumente zu diesen Mineneinsätzen aufzufinden waren und auch die Auswertung der einschlägigen Literatur kaum Erkenntnisse brachte, stützt sich diese Dokumentation vor allem auf die Kriegstagebücher und Dokumente der Marine. Erkenntnisse bezüglich der Luftwaffenseite konnten nur durch die Auswertung der monatlichen Flugzeugbestand und Bewegungsmeldung der II./ KG 4 gewonnen werden.[44] Diese Gruppe hatte am 1. Dezember 1944 30 Flugzeuge He 111 H-20 im Bestand, am 31. Dezember 1944 dann nur mehr 25. Die Neuzugänge in diesem Monat waren: ein aus der Reparatur kommendes Flugzeug sowie zwei Maschinen die von anderen Verbänden zugeführt wurden. Dem standen acht Verluste gegenüber, von denen jedoch nur zwei auf Feindeinwirkung zurückzuführen waren. Demnach konnten die Operationen am 24. und 25. Dezember im Maximalfall nur zwei Flugzeuge gekostet haben. So darf man davon ausgehen, dass die nächtlichen Aktionen während der Weihnachtsfeiertage des Jahres 1944 kaum vom Feind gestört wurden.

Bezüglich des Erfolges der Verminungen durch die II./KG 4 ist nur wenig bekannt. Mögliche Erfolge sind schwer zu verifizieren, da es auch 1945 auf der mittleren und unteren Donau noch immer Schiffsverluste durch britische Luftminen gab. Als sicheres Opfer der deutschen Luftminen dürften drei Minensuchkutter der Rumänischen Marine anzusprechen sein. Die im russischen Dienste tätigen Minensucher No. 12 und 18 sanken bei Räumarbeiten, am 27. Dezember 1944, bei Stromkilometer 665 und 643, jeweils durch eine Minendetonation. Dabei waren auf dem Minensucher No. 12 fünf Tote zu verzeichnen. Ein weiterer Minensucher mit der No. 18, ebenfalls in russischen Diensten und der Rumänischen Marine zugehörig, löste erst nach Monaten, am 14. März 1945, bei Stromkilometer 654 eine weitere Mine aus.[45] Seit Ende September räumte ein Minensuchverband von 38 Räumschiffen und 10 Sperrbrechern, unter sowjetischem Kommando, dem auch bulgarische, rumänische und erbeutete deutsche Schiffe angehörten, die Donau im Einflussbereich der Roten Armee. Diese Räumaktion wurde dann erst am 11. November 1948 beendet.[46]


Hier noch einige Bilder. Die ersten zeigen Bilder der He 111 aus dem Flugzeughandbuch. Durch anklicken sehen Sie die Fotos in Originalgröße.



[1] NARA Microfim Publication T-1022 roll 2034 PG-33048, 1. Skl. 2760/44 gKdos. FS des OKL FüSt. An 1. Skl. vom 6.9.1944. Hier wird vom Luftwaffen-Führungsstab mitgeteilt, dass eine Überprüfung ergeben hat, das die von der Seekriegsleitung geforderte Verminung der Donau (FS des OKM, 1. Skl. I E, Nr. 27377/44 gKdos. vom 5.9.1944, Betr.: Verminung der Donau durch Lw. Kdo. SO) infolge Brennstoffmangels nicht durchgeführt werden kann „Luftwaffe hat gesamten Kampfeinsatz aus diesem Grunde einstellen müssen“.
[2] Ebd. OKM, 1. Skl. Nr. 2760/44 gKdos. (OKL Ia/KM, Fernschreiben Robinson 7 Nr. 0374 vom 6.9.1944 16:15 Uhr, SSD 1. Skl. I L. nachrichtlich).
[3] KTB Skl. Teil A, 26.11.1944, 594—597.
[4] T-1022, roll 2539, FS Inspekteur Minenräumdienst Donau (IMRDD), F Op Nr. 6168/44 gKdos. vom 26.11.1944. Hier der Bezug auf das FS OKM 1 Skl I E 34190/44 gKdos., vom 22.11.1944. Vergleiche dazu auch die Eintragung im KTB IMRDD vom 27.11.1944.
[5] KTB IMRDD. 27.11.1944 und T-1022 roll 2539, FS IMRDD 6203/44.
[6] Ebd. In diesem FS, dass an 1. Skl. und an die Operationsabteilung der Marinegruppe Süd übermittelt wurde, wird das FS 34190/44 gKdos zitiert, in welchem die Initiative der Luftwaffe zur Donauverminung hervorgehoben wurde.
[7] T-1022, roll 2539, 1 Skl I E 34662/44, gKdos., vom 26.11.1944 (FS SSD MBBS 029204, vom 26.11.45 18:45 Uhr, an Gruppe Süd und IMRD Donau).
[8] Ebd. FS OKL-Führungsstab Op Eins., Br. B. Nr. 18460/44 gKdos, vom 26.11.44 an Luftflotte Reich, Luftflottenkommando 4 und General der Kampfflieger.
[9] T-1022, roll 2539, FS Inspekteur Minenräumdienst Donau (IMRDD), F Op Nr. 6168/44 gKdos. vom 26.11.1944.
[10] KTB IMRDD, 27.11.1944. T-1022 roll 2539, FS IMRDD 6199/44 gKdos., vom 27.11.1944. Vorschlag: 60% M 1 20 m Oe UES (1—6 Tage VK 10—30 sek., ZK 1—10), 30% MA 1 UES (1—6 Tage ZK 1—10), 10% AA 1 UES 1—6 Tage. Sämtliche Minen mit Zusatzzünder gegen Abwurf unter 4 m Wasser oder auf Land. AA 1 ausschließlich in Gefäß LMB III M1 und MA 1 zu je 50% in Gefäß LMA III bzw. LMB III.
[11] KTB Marine Gruppenkommando Süd (MGK Süd), vom 27.11.1945, Pkt. VI.
[12] KTB Skl Teil A 28.11.44, 642. Bei dem Druckdosen-Gerät handelte es sich um eine Zündvorrichtung für eine vom Gegner nicht zu räumende Mine.
[13] KTB IMRDD, 27.11.1944 und T-1022 roll 2539, FS IMRDD F Op 6200/44, gKdos., vom 27.11.1944. Im Einzelnen wurden am 3.10.1944, im Bereich Stromkilometer 1049—1063, 25 LMB/M 1 (ZK 1—3, 5 und 9) und am 4.10.1944, von km 1084—1103, 25 LMB/M1 (Zk 1—3, 5 und 8) sowie am 6.10.1945, vom km 1154—1167, 25 LMB/M1 (ZK 1—4 und 8) geworfen. Am 21.10.1944 kamen dann im Bereich von km 1216—1257 nochmals 25 LMB/M1 (ZK 1—8) zum Wurf.
[14] KTB IMRDD, 1.12.1944, 2.
[15] Die nachfolgenden Angaben nach dem KTB des IMRDD, 4.12.1944, 22.
[16] Dabei wurden folgende Stellen für eine Verminung in Aussicht genommen: bei Stromkilometer 595, 624, 647, 745, 758, 795, 788, 846, 885 sowie 917. Ferner die Fährverbindung Smederovo – Kovin bei km 1112.
[17] KTB IMRDD 1.12.1944, 2.
[18] KTB IMRDD 4.12.1944, 10.
[19] T-1022 roll 2539, FS Lfl. Kdo. 4 Führ. Abt. I, Nr. 8118/44 gKdos, vom 3.12.1945 und KTB MGK Süd, 3.12.1944, Pkt. III sowie KTB IMRDD 7.12.1944,15.
[20] KTB MGK Süd, 3.11.1944, Pkt. III.
[21] Diese Zielkartei befand sich bei Kriegsende im Kriegsarchiv in Wien, wo sie von der amerikanischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und abtransportiert wurde.
[22] Ebd. Das KTB endet mit dem 11. Dezember 1944, da das MGK Süd mit 12.12.1944 aufgelöst wurde.
[23] KTB Skl. Teil A 7.12.1944, 166. Der Satz sollte wohl lauten: „Marinegruppe Süd hat Kenntnis vom Vorschlag OKL und stimmt diesen zu“. Eine Schlussfolgerung die sich auch in weitgehendster Interpretation des KTB des MGK Süd so nicht nachvollziehen lässt.
[24] KTB IMRDD, 9.12.1944, 18.
[25] KTB MGK Süd, 9.12.1944, Pkt. I.
[26] KTB Skl Teil A 11.12.1944, 276 und KTB IMRDD 11.12.1944, 24.
[27] KTB Skl Teil A, 11.12.1944, 254. Vortrag I Ea/1/Skl vor Ob. d. M.
[28] Ebd., 255.
[29] Ebd., 254 f.
[30] Ebd. 255 f. Vorgeschlagen wurde ein gemischter Einsatz von Zündern: 50% M 1 mit Zündkontakt (ZK) und Verzögerungswert (VW) und 30% MA 2 sowie 20% AA 2. Wobei das Mischungsverhältnis zwischen den Zündsystemen MA 2 und AA 2 beim Abwurf Entscheidend ist. Die schwer zu räumende Zündung MA 2 wäre zwar bei Verwendung einer Geräuschboje als Selbstschutz des Schiffes auszumanövrieren, das Räumfahrzeug würde jedoch dabei die AA 2-Minen zur Detonation bringen.
[31] KTB IMRDD 13.12.1944, 29.
[32] Markus Reisner, Bomben auf Wiener Neustadt, 2. ergänzte Auflage, Wiener Neustadt 2006, S. 821 f. Möglicherweise hatte man diesen Lagerplatz bereits während des Balkanfeldzuges 1941 erkundet und auch benutzt. Vor dem Einmarsch der Roten Armee wurde das Depot, welches unter dem Kommando von Oberleutnant Hackforth stand, gesprengt.
[33] KTB Skl. Teil A 17.12.1944, 426.
[34] KTB Skl. Teil A 17.12.1944, 426 und KTB IMRDD 15.12.1944, 36
[35] Die 8. Staffel war die Luftminen-Sonderstaffel.
[36] D. (Luft) T. 2111 H-11 Teil 12 B, Mai 1944. Flugzeughandbuch He 111 H-20, Teil 12 B Abwurfanlage.
[37] IMRDD, KTB 18.2.1945, Luftmineneinsatz Lfl. 4 vom 24. und 25.12.1944.
[38] LMB = Luftmine B, 920 kg Gesamtgewicht, 680 kg Sprengstoff, größte Wassertiefe 35 m, größte Abwurfhöhe 800 m (Fallschirm); III = Fab III Akustikzünder mit Geheimhaltungsvorrichtung und Zählkontakt; MA1 = Magnetisch-Akustisch kombinierter Zünder; blau = normal gepolter Magnetzünder; UES = Verzögerungswerk, einstellbar von einer halben Stunde bis zu 6 Tagen.
[39] MA2 = verbesserter MA1 Zünder.
[40] BM 1000 = Bombenmine mit Magnetzündung 1000 kg Gesamtgewicht und 680 kg Sprengstoff, für Wassertiefen ab 6 m, größte Wassertiefe 35 m. A 105 = Akustikzünder für BM 1000. Zählkontakt I (ZK I) = Schritteinstellung von sechs Kontakten.
[41] rot = umgepolter Magnetzünder.
[42] Ebenda.
[43] Deutsche Heereskarte, Osteuropa 1:300000, Blatt Nr. R 45 Belgrad, Ausgabe Nr. 2 mit Gradmeldenetz: Zusatzzahl 24 ost, OKL, Lw. Fü. St. (7. Abt.) Juli 1944. Position: (24 ost) 05276 = Großtrapez 05, Mitteltrapez 2, Kleintrapez 7 Meldetrapez 6.
[44] Holm, Michael, Die Luftwaffe 1933—1945. Online im Internet (Stand 9.7.2012): URL: http://www.ww2.dk.
[45] Posting Andreas von March vom 22.8.2006: URL: http://www.worldwar2.ro (Stand 8.2.2011).
[46] Posting 19.11.2011: URL: http://www.worldwar2.ro (Stand 8.7.2012). Darunter befanden sich (nach russischer Quelle) auch die ehemals deutschen Hilfsminensucher Grafenau, Kell, Kronus, Berolina, Seefalke, Mercur, Franz, Artur, Hindenburg und Mars.


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