Das Kommando der Kleinkampfverbände der Kriegsmarine

verfasst von Hartwig Kobelt unter Mitarbeit von Beate Kibelka

Das Deutsche Reich hat anders als andere der Krieg führenden Mächte wie Großbritannien, Italien oder Japan erst angesichts der sich verschärfenden Kriegslage und des unvermeidlichen Übergangs in einen Verteidigungskrieg und der drohenden Invasion der Alliierten in Nordfrankreich mit der Aufstellung von Kleinkampfverbänden als der Waffe der Überraschung wie auch des Schwächeren begonnen. 1943 waren die kampfkräftigen Überwasserstreitkräfte der Kriegsmarine fast vollständig ausgeschaltet. Der U-Boot-Krieg war zum Erliegen gekommen. Es musste nach Wegen gesucht werden, um die Seekriegführung wieder zu intensivieren, beschrieb Vizeadmiral Hellmuth Heye die Ausgangslage bei der Aufstellung der deutschen Kleinkampfverbände in einer Nachkriegspublikation.[Heye, Marine-Kleinkampfmittel, Wehrkunde 8/1959, S. 413-421] Als Anstoß hierfür soll die schwere Beschädigung des Schlachtschiffes „Tirpitz“ durch die britischen Klein-U-Boote „X 6“ und „X 7“ am 23. September 1943 Pate gestanden haben, hatte dieses für die deutsche Kriegführung schwerwiegende Ereignis doch gezeigt, welche nachhaltigen Schäden für die gegnerische Kriegführung durch eine Handvoll beherzter Soldaten verursacht werden konnten.

Mit der Aufstellung der Kleinkampfverbände betraute der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Karl Dönitz, den damaligen Flottenchef Generaladmiral Otto Schniewind, der in Personalunion auch die Aufgabe des Oberbefehlshabers des Marinegruppenkommandos Nord wahrnahm. Chef des Stabes im Flottenkommando war Konteradmiral Hellmuth Heye. Unter seiner Führung wurde ein weiterer Sonderstab mit dem ehemaligen U-Boot-Kommandanten Fregattenkapitän Fritz Frauenheim („U 21“, „U 101“) als 1. Admiralstabsoffizier eingerichtet. Dem Aufstellungsstab gehörten ferner der bei der Besetzung Norwegens 1940 als Kommandant von „M 1“ berühmt gewordene Korvettenkapitän Hans Bartels und der aus dem Amt Ausland/Abwehr des Admirals Canaris stammende Kapitänleutnant der Reserve Friedrich Wilhelm Michel Obladen, zuvor Chef der Marine-Einsatz-Kommandos Marei/Mares, Marko und 20, an.

Heye erläuterte die ersten Überlegungen zur Aufstellung der Kleinkampfverbände wie folgt:[Heye,a.a.O.]
„Der Grundgedanke bei den Planungen sah vor, mit kleinen hochwertig besetzten und absolut zuverlässigen Kommandos in vielen einzelnen Kommandounternehmungen mit möglichst oft wechselnden Kampfmitteln unter Ausnutzung des Überraschungsmomentes den Gegner zu beunruhigen und seine Kräfte an den nicht Entscheidung bringenden Fronten zu binden.“
Aus diesen Überlegungen resultierten folgende weitere Planungsschritte:[Heye,a.a.O.]

  1. Bau und Entwicklung eines brauchbaren Kleinst-U-Bootes für Einzelunternehmungen.
  2. Entwicklung eines kleinen Torpedoträgers für verschiedene Verwendungszwecke, die bei den Italienern mit Sprengbooten und ähnlichen Kampfmitteln gelöst wurden.
  3. Aufstellung von Marine-Stoßtrupps nach englischem Vorbild, um damit von Schiffen aus Unternehmungen gegen strategisch oder taktisch wichtige Punkte im feindlichen Operationsgebiet durchführen zu können.

Von dieser Planung ausgehend wurden in den letzten eineinhalb Jahren des Zweiten Welt-krieges noch eine Vielzahl zum Teil futuristisch, zumindest aber verwegen wirkende Kleinkampfmittel entworfen. Sie sollten von Soldaten eingesetzt werden, die der Kriegslage entsprechend in kürzester Zeit ausgebildet werden mussten. Unter den Zwängen der immer angespannteren Produktionskapazitäten und der sich ständig sich verschlechternden militärischen Lage mangelte es bei einem großen Teil der Kleinkampfmittel nicht nur an ausreichender Zeit für eine sorgfältige Durchkonstruktion und anschließende Erprobung der Prototypen. Die Erprobung erfolgte in vielen Fällen erst im Verlauf der ersten Einsätze mit allen katastrophalen Folgen für die im Schnellverfahren ausgebildeten Fahrer der Kleinkampfmittel.[Heye, a.a.O.]

Unter dem Druck der Ereignisse nahmen die Aufstellung der Kleinkampfverbände und ihre Einsatzdoktrin zudem eine andere Wendung, als von Konteradmiral Heye und seinem Sonderstab im Marinegruppenkommando Nord / Flottenkommando angedacht. Es zeigte sich, dass die wirtschaftlichen Kapazitäten nur noch ausreichten, um von wenigen Typen von Kleinkampfmitteln größere Serien herzustellen, aber nicht parallel eine Vielzahl kleiner Serien zu entwickeln, weitgehend durchzukonstruieren und schließlich auch zu produzieren. Heye kam retrospektiv zu der Bewertung, dass „der Bestand an Kampfmitteln normaler Art der deutschen Flotte so abgesunken (war), und … mit Ausnahme der U-Boote nicht mehr ersetzt werden (konnte), daß zwangsweise die nunmehr in großen Serien entstehenden Verbände des K.d.K. (Kommando der Kleinkampfverbände) als Ersatz für fehlende Flottenstreitkräfte angesehen wurden. Die eigentlichen Kommandoaufgaben blieben zwar bestehen, traten aber immer mehr in den Hintergrund“.

Diese Entwicklung spiegelt sich letztlich auch in der Organisationsstruktur der Kleinkampfverbände wider. Bestand die bereits am 16. November 1943 in der Feldpostübersicht geführte[Kannapin Bd. I, S. 180] und vermutlich – ein genaues Datum lässt sich nicht ermitteln – zwei Tage später aufgestellte „Marine-Einsatz-Abteilung“[BArch RM 7/98, S. 100ff.] noch aus zahlreichen kleinen Gruppen (von „A“ bis „Z“ und „AA“ bis „ZA“)[Kannapin Bd. 1bis III] mit unterschiedlichsten Aufgaben, so wurde das Grundgerüst des am 20. April 1944 aufgestellten Kommandos der Kleinkampfverbände, das aus der Marine-Einsatz-Abteilung hervorging[BArch RM 7/59, S. 227], nur noch von wenigen – nämlich acht – Lehrkommandos gebildet. Und dies, obwohl Konteradmiral Hellmuth Heye, der am 1. August 1944 zum Vizeadmiral befördert wurde, spätestens von der seiner Einsetzung als Admiral der Kleinkampfverbände am 20. April 1944 an eine für die deutsche Wehrmacht weitreichende und auch einzigartige Entscheidungskompetenz in seiner Person vereinte.
Heye leitete als Ministerialbeamter das Generalreferat Sonderkampfmittel („Skl/S“) in der Seekriegsleitung im Oberkommando der Kriegsmarine. Er unterstand unmittelbar dem Chef der Seekriegsleitung, Admiral Wilhelm Meisel[Lohmann/Hildebrand Kapitel 291, S. 231], und stand damit als Leiter eines „Großreferates“ auf gleicher Ebene mit den Chefs der Operationsabteilung, der Unterseebootsführungsabteilung, der Abteilung Nachrichtenauswertung oder der Amtsgruppe Marinenachrichtendienst. Allein dies ist schon ungewöhnlich genug.[Lohmann/Hildebrand Kapitel 32 S. 11] Aber Heye hatte nicht nur das Recht zur unmittelbaren Vorsprache vor dem Chef der Seekriegsleitung: Er war als Admiral der Kleinkampfverbände zugleich auch Frontbefehlshaber einer Teilstreitkraft innerhalb der Kriegsmarine. Oder anders ausgedrückt konnte er aus der Praxis heraus geborene Forderungen der Front an die Seekriegsleitung herantragen und, da er sich diese Forderungen ja zu eigen gemacht hatte, hier ohne einen weiteren Prüfschritt eine Entscheidung des Chefs der Seekriegsleitung hinsichtlich der Realisierbarkeit mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Fertigungskapazitäten und ggf. auch zu Lasten anderer Teilstreitkräfte herbeizuführen zu versuchen. Die nachfolgende Skizze soll die einzigartige Stellung Heyes und die Einbindung des KdK in die Organisationsstruktur der Kriegsmarine im Spätherbst 1944 und die Gliederung des KdK zum 15. Januar 1945 veranschaulichen:


Organigramm Kleinkampfmittel
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Zu den Stabseinrichtungen des KdK, das in Timmendorf Quartier bezogen hatte, zählten der Führungsstab, der Quartiermeisterstab, das Gericht der K-Verbände, das Personalbüro der K-Verbände, die Entwicklungsgruppe und die Wissenschaftliche Gruppe. Die Führung der K-Verbände an den verschiedenen Kriegsschauplätzen erfolgte durch K-Stäbe (z. B. K-Stab West, K-Stab Nord, K-Stab Süd). Im Einzelfall waren den K-Stäben K-Divisionen unterstellt, denen wiederum die Einsatzeinheiten, die jeweils mit einem Typ von Über- oder Unterwasser-Kleinkampfmitteln ausgerüsteten K-Flottillen, nachgeordnet waren.
Eine Sonderstellung unter den Einsatzeinheiten nahmen die Marine-Einsatz-Kommandos ein, die ebenso wie die „MEK-Ausbildungsabteilung“ unmittelbar dem KdK unterstellt waren und damit nicht in die oben beschriebene Befehlskette eingebunden waren. Eine weitere Besonderheit der Marine-Einsatz-Kommandos bestand darin, dass sie, anders als die K-Stäbe, K-Divisionen und K-Flottillen, vollmotorisiert waren. Die Motorisierung der letzteren wurde durch das in vier Abteilungen gegliederte K-Regiment (mot.) 1 sichergestellt. Die Abteilungen des K-Regiments (mot.) 1 gingen aus der 3., 4. und 5. Marine-Kraftwageneinsatzabteilung hervor, die dem KdK zwischen dem Frühjahr 1944 und März 1945 unterstellt worden waren.[Lohmann/Hildebrand Kapitel 153; BArch RM 20/1827]

Zur Prüfung neuer Kleinkampfmittel und zur Ausbildung der Soldaten zum Einsatz dieser Kampfmittel war dem Kommando der K-Verbände das Kommando der Versuchs- und Lehr-kommandos unterstellt. Zu den Versuchskommandos zählten das Versuchskommando 106, zu dessen Aufgaben keine Informationen aufgefunden werden konnten, das Versuchskommando 206 in Berlin (Sprengboot „Linse“), das Versuchskommando 207 in Schlutup bei Lübeck (Klein-U-Boot „Biber“), das Versuchskommando 306 in Neustadt i. H. (Klein-U-Boote „Hecht“ und „Seehund“) sowie das Versuchskommando 456 in Kiel (z. B. Klein-U-Boote „Schwertwal“, „Seeteufel“, „Manta“ und Tiefsee-Tauchgerät „Grundhai“).[BArch RM 20/1827]

Die Lehrkommandos waren für die Ausbildung der für die verschiedenen Waffensysteme vorgesehenen Einzelkämpfer, aber auch für die Ausstattung und Ausrüstung der K- („Kampf-“) Flottillen sowie deren Nachschub verantwortlich. Sie waren je nach dem Bedarf in der Ausbildung mit Bergungsschiffen, Fangbooten, Sicherungsbooten, Taucherschiffen, Torpedoklarmachschiffen und Zielschiffen ausgerüstet.[Lohmann/Hildebrand Kapitel 153 S. 9; BArch RM 20/1827]

Neben dem Kommando der Versuchs- und Lehrkommandos bestand in Waren an der Müritz die Ausbildungs- und Bereitstellungsabteilung. Die Lehrkommandos wie auch alle weiteren im deutsch-dänischen Raum dislozierten Einheiten des KdK waren in Ausbildungs- und Bereitstellungslagern untergebracht. Ihre Standorte erhielten zur Tarnung Namen mit der Endung „-koppel“.[BArch RM 20/1827]


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Das Stabsquartier des Admirals der Kleinkampfverbände befand sich in der „Strandkoppel“. Es handelte sich um die Hotel-Pension „Zur Kammer“ in Timmendorfer Strand. Kurz vor Kriegsende verlegte das Stabsquartier nach Ellenberg bei Kappeln an der Schlei.

Die erste sechswöchige „Grundausbildung“ der Angehörigen des KdK erfolgte im Lager „Schwarzkoppel“, einem ehemaligen, in dem gut 30 Kilometer östlich von Rostock gelegenen Bad Sülze eingerichteten ehemaligen Lager des Reichsarbeitsdienstes, das durch das KdK übernommen worden war.[Kobelt, S. 139]



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Das Lehrkommando 200 war in Priesterbäk bei Waren an der Müritz („Grünkoppel“) bzw. in Speck stationiert, bevor es nach Plön in Holstein in das Lager „Netzkoppel“ verlegt wurde. Das Lager „Grünkoppel“ bestand aus den Baracken eines ehemaligen Lagers des Reichsarbeitsdienstes Abt 7/64 „Paul Pogge“, das nahe dem aus nur etwa zehn Gehöften bestehenden Dorf Speck am Specker See (heute Priesterbäker See) zehn Kilometer östlich des Müritzsees errichtet worden war.
Im Lager „Netzkoppel“ wurden die Angehörigen des Lehrkommandos 200 in den Blocks „Nürnberg“ und „Stuttgart“ auf dem Gelände der Plöner Kaserne Ruhleben untergebracht. Errichtet wurde die Kaserne für die III. Marine-Unteroffizier-Lehr-Abteilung, ab 1940 genutzt für die Unterseeboot-Ausbildungs-Abteilung.


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„Netzkoppel“ wurden ferner die große Speisehalle, die Hafenanlagen und der Bootsschuppen der Kaserne zugeordnet. Das Lehrkommando wurde im Juli 1944 aufgestellt und war für die Bereitstellung des Sprengbootes „Linse“ und die Ausbildung und Zuweisung der für den Einsatz der „Linsen“ erforderlichen Soldaten zuständig.[Stärk, H.: Marineunteroffizierschule, S. 167]
Durch das Lehrkommando 200, das zunächst bis Juli 1944 von Kapitänleutnant Ulrich Kolbe (zuvor bis zu seiner Versetzung in das KdK im März 1944 Kommandant in der überwiegend von Cherbourg aus operierenden 5. Schnellbootsflottille) und danach von Kapitänleutnant Helmut Bastian (zuvor Kommandant des am 14./15. Juni 1944 in Le Havre durch einen Luftangriff versenkten Torpedobootes „Möwe“) geführt wurde, wurden neun Flottillen, die K-Flottillen 211 bis 219, aufgestellt.
Die „Linsen“ der K-Flottille 211 wurden ab dem 25. Juni 1944 gegen die alliierte Invasionskräfte in der Normandie eingesetzt, bis aufgrund der Ausweitung des Landungsraumes und des Rückzugs der deutschen Truppennach dem 9. August 1944 weitere Einsätze nicht mehr möglich waren.
Die „Linsen“-Flottillen 211, 212 214 und 215 wurden ab Oktober 1944 von niederländischen Stützpunkten aus gegen zur Versorgung der Festung Dünkirchen (Unternehmen „Kameraden“), insbesondere von Hellevoetsluis aus gegen den alliierten Nachschubverkehr auf der Westerschelde nach Antwerpen und als Transportmittel für Kommandotrupps der Marine-Einsatz-Kommandos 60 und 65 sowie Kampfschwimmer des Lehrkommandos 700 eingesetzt.
Ein besonderes Schicksal war der K-Flottille 213 beschieden: Am 18. Oktober 1944 traf sie zum Einsatz gegen die alliierten Landungskräfte in Südfrankreich in San Remo ein, wurde in der Blumenhalle der Stadt untergestellt und am 20. Oktober 1944 durch Artilleriefeuer alliierter Zerstörer und die dadurch ausgelösten Explosion der Sprengladungen der insgesamt 48 „Linsen“ restlos vernichtet. „Linsen“ wurden auch für den Transport von Kommandotrupps auf dem Rhein, der Donau und ihren Nebenflüssen und in der nördlichen Adria eingesetzt.


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Das im August 1944 aufgestellte Lehrkommando 250 war im Forst Hohemeile östlich des Ortes Schlutup bei Lübeck am Südufer der Trave untergebracht. („Blaukoppel“) Seine Aufgabe lag in der Betreuung der Einmann-U-Boote des Typs „Biber“ und seiner Besatzungen. Durch das Lehrkommando 250, das von Korvettenkapitän Hans Bartels (zuvor u. a. Kommandant von „M 1“ und „T 34“) wurden die K-Flottillen 261 bis 270 aufgestellt. Die K-Flottille 261 sollte noch gegen die alliierten Landungskräfte in der Normandie von Le Havre eingesetzt werden, erreichte den vorgesehenen Einsatzhafen Ende August 1944 wegen der Aufgabe des Hafens im Verlauf des Rückzugs nicht mehr. „Biber“ wurden überwiegend auf Fahrten ohne Wiederkehr ab September 1944 bis zum Kriegsende insbesondere von den niederländischen Häfen Poortershavn und Hellevoetsluis aus gegen den alliierten Nachschubverkehr vornehmlich im Bereich der Schelde-Mündung eingesetzt.



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Das Lehrkommando 300 in Neustadt in Holstein war für die Zweimann-U-Boote der Typen „Hecht“ und „Seehund“ zuständig. Als Unterkunft und Stützpunkt dienten Baracken am Rande der Wiksberg-Kaserne („Neukoppel“). Für die Bereitstellung und ggf. erforderliche Reparaturen der „Seehunde“, die ausschließlich von dem niederländischen Hafen Ijmuiden aus eingesetzt wurden, hatte der K-Stützpunkt Wilhelmshaven (Lager „Graukoppel“) schon von seiner geografischen Lage wie auch von der vorhandenen Logistik her eine entscheidende Bedeutung. Der K-Stützpunkt Wilhelmshaven befand sich am Nordufer des Westhafens (Tirpitz-Hafen) im Bereich des heutigen Banter Sees. Mattes gibt an, dass sich „Graukoppel“ dort befand, wo sich heute als markanter Punkt das Gebäude der → Kammgarnspinnerei befindet. Dieses Gelände beherbergte zur Zeit der Kaiserlichen Marine die Uto-Werft mit den Torpedowerkstätten. Im Dritten Reich gehörte dieser Komplex zu den Deutschen Werken AG.[Mattes, S. 52, 69f.]
Die „Seehunde“ wurden vom 1. Januar 1945 an von Ijmuiden aus bis zum Kriegsende gegen den alliierten Nachschubverkehr auf dem Themse-Schelde-Geleitweg eingesetzt, der wichtigsten Nachschubverbindung, nachdem der im Kanal-Bereich frontnächste und leistungsfähigste Hafen Antwerpen etwa ab Mitte November 1944 nach Freikämpfen der Westerschelde genutzt werden konnte. In den letzten Kriegswochen wurden „Seehunde“ daneben auch für Versorgungsfahrten mit „Buttertorpedos“ in die Festung Dünkirchen eingesetzt. Die „Seehunde“ waren in der K-Flottille 312 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Hermann Rasch (zuvor u. a. Kommandant von „U 106“) zusammengefasst und unterstanden der von Fregattenkapitän Albrecht Brandi (zuvor u. a. Kommandant von „M 1“, „U 617“, „U 380“ und „U 967“) geführten 5. K-Division.


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Die Lehrkommandos 350 und 400 wurden im Juli 1944 aufgestellt. Sie waren in Surendorf am Südufer der Eckernförder Bucht im Lager „Dorfkoppel“ stationiert und fungierten als Lehrkommando für Einmann-Torpedos der Typen „Neger“ und „Marder“ (Lehrkommando 350) und für Einmann-U-Boote des Typs „Molch“ (Lehrkommando 400). Zum Lager „Dorfkoppel“ zählten Baracken, Gebäude und die Brücke des Torpedoschießstandes der Torpedoversuchsanstalt Eckernförde Ost. Durch das Lehrkommando 350 wurden die K-Flottillen 361 bis 366, durch das Lehrkommando 400 die K-Flottillen 411 bis 417 aufgestellt. Einmann-Torpedos des Typs „Neger“ gehörten zu den ersten überhaupt eingesetzten Kleinkampfmitteln.
Nach der Landung der Alliierten am 22. Januar 1944 an der italienischen Westküste bei Anzio-Nettuno wurde die K-Flottille 361 unter dem Kommando von Oberleutnant Hanno Krieg (zuvor Kommandant von „U 81“) wurden alliierte Landungskräfte am 20.21. April 1944 mit Erfolg, die auf die auf diese Kleinkampfmittel unvorbereitete Abwehr zurückzuführen waren, angegriffen. Weitere Einsätze erfolgten von Anfang Juli bis Mitte November 1944 gegen die alliierten Landungskräfte in Nordfrankreich.
Die Einsätze der „Molch-Flottillen“ endeten von Anfang an im Fiasko. Die K-Flottille 411 kam im September 1944 gegen die alliierten Landungskräfte in Südfrankreich zum Einsatz. Schon der erste Angriffsversuch endete mit dem Verlust von zehn der zwölf ausgelaufenen „Molche“. Weitere Einsätze unterblieben auf diesem Kriegsschauplatz. Die K-Flottille 412 führte ab Januar 1945 einen aussichtslosen Kampf gegen den alliierten Nachschubverkehr im Schelderaum, der in der Regel zum Verlust der eingesetzten Fahrzeuge ohne jeden Erfolg mit sich brachte.


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Das Lehrkommando 600 war ab dem Frühjahr 1944 in Castelletto bei Sesto Calende am Lago Maggiore in Oberitalien in der Nachbarschaft der italienischen Sturmbootschule Sant Anna stationiert, bevor es im Oktober/November 1944 nach List an der Nordspitze der Insel Sylt verlegt werden musste. Die Ausweitung des Schulungsbetriebes führte zwischenzeitlich zur Aufstellung der Lehrkommandos 601, das in Castelletto verblieb, und 602 in Stresa am Westufer des Lago Maggiore. Diese Lehrkommandos betreuten die Besatzungen der Überwasser-Sturmkampfmittel („mezzo d`assalto“) italienischer Fertigung, nämlich „Einmann-Sturmboote“, hierbei handelte es sich um Sprengboote des Typs „MTM“ (Motoscafo Turismo Modificato oder Megliorato) sowie „Zweimann-Sturmboote“, Klein-Torpedo-Schnellboote des Typs „MTSMA“ oder kurz „SMA“ (Motoscafo Turismo Silurante Modificato Allargato) und die Bereitstellung dieser Fahrzeuge. Es darf davon ausgegangen werden, dass das Lehrkommando 600 bei der kriegsbedingt zu erwartenden Einstellung der Fertigung der MTSMA und gleichzeitiger Ausweitung der Fertigung des Klein-Schnellbootes „Hydra“ die „Zuständigkeit“ für diese Überwasser-Kleinkampfmittel zugewiesen bekommen hätte. Einen Beleg hierfür gibt es jedoch nicht.
Das Lehrkommando 600 wurde von Kapitänleutnant Heinz Schomburg (zuvor u. a. Kommandant von „U 145“ und „U 561“) geführt. Durch die Lehrkommandos wurden die 1. bis 3 Sturmboot-Flottille aufgestellt, die Mitte Dezember 1944 in die K-Flottillen 611 bis 613 umbenannt wurden. Während die 1. Sturmboot-Flottille als Sofortmaßnahme nach der alliierten Landung in Südfrankreich ab dem 15. August 1944 aufgestellt und gut eine Woche später zu ersten Angriffsversuchen gegen die alliierten Landungskräfte zunächst für wenige Tage ab Villefranche und schließlich bis zum Kriegsende von San Remo aus eingesetzt wurde – für diese Einsätze wurde der Flottille der Name „Hitlerjugend“ verliehen - wurden die 2. und 3. Sturmboot-Flottille erst im Spätherbst 1944 / Winter 1944/45 aufgestellt und in der nördlichen Adria eingesetzt. Die K-Flottille 612 hatte ihren Hauptstützpunkt in Pola, während die K-Flottille 613 von Rijeka aus operieren sollte. Während die K-Flottille 612 vor allem als Transport-Flottille für die Anlandung von Kommandotrupps des Marine-Einsatz-Kommandos 71 sowie die Verbringung von V-Leuten hinter die gegnerischen Linien eingesetzt wurde, kam die K-Flottille 613 insbesondere wegen fortwährender Verzögerungen bei der Bereitstellung der erforderlichen Ausrüstung praktisch nicht mehr zum Einsatz.[Kobelt, im Manuskript]







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Das Lehrkommando 700 diente der Ausbildung von „Meereskämpfern“, so die zeitgenössische Bezeichnung für Kampschwimmer. Es war ab Dezember 1943 zunächst in Valdagno in Oberitalien stationiert. Hier befand sich in dem durch den Textilunternehmer Gaetano Marzotto in den 1930er Jahren erbauten → Hallenschwimmbad mit sechs 25-Meter-Bahnen und ei-nem Sprungturm die Ausbildungsstelle für die Kampfschwimmer der X. Flottiglia MAS, den italienischen Kleinkampfverbänden mit ihrer bis Mitte der 1930er Jahre zurückreichenden Tradition im faschistischen Italien. Im Oktober / November 1944 wurde das Lehrkommando 700 ebenfalls nach List auf der Insel Sylt verlegt wurde. Hier fand es wie das Lehrkommando 600 Unterkunft in den zum Teil freigewordenen Gebäuden und Baracken des Seefliegerhorstes, während das zugehörige → Schwimmbad erste Übungsmöglichkeiten bot („Weißkoppel“).[Jung: Sabotage unter Wasser, S,.53ff.]

Das Lehrkommando 800 soll als „Lehrkommando für Bodenstaffeln und Verbindungskommandos“[Lohmann/Hildebrand Kapitel 153, S. 12] gedient haben. Außer bei Lohmann/Hildebrand scheint es allerdings keine Überlieferungen zu diesem Lehrkommando zu geben. Möglicherweise war das Lehrkommando 800 im Lager „Steinkoppel“ in der ehemaligen Pionier-Kaserne in Lübeck untergebracht.[PRO ADM 204/12944]





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Neben den Lehrkommandos nahm die im Mai 1944 in Lübeck aufgestellte Aufstellungs- und Ausbildungsabteilung eine Schlüsselrolle im Aufbau des Kommandos der Kleinkampfverbände ein, wurde in ihr doch die „Grundausbildung“ der Einzelkämpfer durchgeführt, bevor diese zur weiteren „Fachausbildung“ auf die für sie vorgesehenen Kleinkampfmittel zu den jeweiligen Lehrkommandos kommandiert wurden. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1944 wurde als Ableger der Aufstellungs- und Ausbildungsabteilung die Bereitstellungsabteilung aufgestellt. Die Aufstellungs- und Ausbildungsabteilung selbst wurde einen Monat später geteilt. Ein Teil bildete die Ausbildungsabteilung in Ellenberg bei Kappeln an der Schlei, die nun weiterhin für die allgemeine Einzelkämpferausbildung zuständig war. Zum anderen wurde die MEK-Ausbildungsabteilung mit dem Standort Sonderborg, später Silkeborg formiert. In Mommark-Færgegård (Fährhaus, Lager „Gelbkoppel“) und auf Schloss Nordborg (Lager „Nordkoppel“) auf der dänischen Insel Als wurde die Ausbildung der Marine-Einsatz-Kommandos betrieben.[Lohmann/Hildebrand Kapitel 153, S. 7, Kobelt, S. 173ff.]


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Das Lager „Fischkoppel“ befand sich in Cuxhaven/Oxstedt.
Es dürfte sich hierbei um das im Aufbau befindliche Sperrwaffenarsenal gehandelt haben, das dem Sperrwaffenarsenal Cuxhaven unterstellt war.[Lohmann/Hildebrand Kapitel 184, S. 6]


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Die Wissenschaftliche Dienststelle des KdK war in Schönberg/Nordwestmecklenburg in der kriegsbedingt nicht mehr benötigten Landwirtschaftsschule des Kreises Schönberg untergebracht (Lager „Raumkoppel“). Das Gebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Krankenhaus genutzt. Es existiert, hinter einem Neubau aus DDR-Zeiten in der Rudolf-Hartmann-Straße 11 gelegen, noch heute. Die Wissenschaftliche Dienststelle, die zunächst mit 30 Wissenschaftlern (Geografen, Ozeanologen, Geologen, Meteorologen und Mathematikern) sowie Kartenzeichnern, Druckern, Buchbindern im Mai 1944 den Dienst im KdK aufgenommen hatte, wuchs bis zum Kriegsende auf eine Stärke von 180 Mann an. Diese Dienststelle hatte die Aufgabe, die Einsätze des KdK vorzubereiten und hierfür z. B. Informationen zu Küstenverhältnissen und Hindernissen wie Sandbänken, Tidenkalender, Küstenansichten und Ähnliches zur Verfügung zu stellen. Weniger bekannt ist, dass „Raumkoppel“ bereits ab Januar 1943 als Außenstelle der Abwehrstelle VI/Gruppe I/Theo, der Wissenschaftlichen Dienststelle gleichen Aufgabenzuschnitts des Amtes Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht in Rheda bei Münster fungierte.[Hermann Häusler: Forschungsstaffel z.b.V. Eine Sondereinheit zur militärgeografischen Beurteilung des Geländes im 2. Weltkrieg. Schriftenreihe MILGEO, Heft 21/2007.]

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